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Pferdefutter Schleswiger: PSSM-Management

Pferdefutter für Schleswiger Kaltblüter NSC-arm. PSSM- und CPL-Prävention für hocheffiziente norddeutsche Futterverwerter.

Stockmaß
157–162 cm
Gewicht
700–800 kg
Herkunft
Deutschland / Dänemark (Schleswig-Holstein, Südjütland)
Illustration: Pferdefutter Schleswiger: PSSM-Management

Schleswiger Kaltblut: Auf einen Blick

Das Schleswiger Kaltblut ist eines der seltensten Kaltblutpferde Mitteleuropas und steht auf der Roten Liste gefährdeter einheimischer Nutztierrassen. Trotz seiner Robustheit und Anspruchslosigkeit stellt es an das Fütterungsmanagement hohe Anforderungen – nicht wegen Empfindlichkeit, sondern wegen seiner außerordentlichen Futtereffizienz.

Als typisches Kaltblut mit einem Körpergewicht zwischen 700 und 800 Kilogramm verwertet das Schleswiger Raufutter deutlich effizienter als Warmblüter vergleichbarer Größe. Bereits moderate Rationen können zu Übergewicht führen, wenn Zusammensetzung und Menge nicht konsequent kontrolliert werden. Hinzu kommen drei dokumentierte Dispositionen: Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM), Equine Shivers (Shivering) und Chronische Progressive Lymphödeme (CPL) – von denen besonders PSSM direkt durch die Fütterung beeinflusst werden kann.

Der Schlüssel liegt in einer raufutterbasierten, stärke- und zuckerarmen Ration mit gezielter Mineralisierung – ergänzt durch ausreichend Bewegung, um den Muskelstoffwechsel zu fördern und das Körpergewicht im Zielbereich (Body Condition Score 4–5 von 9) zu halten.

Größe, Statur und Energiebedarf des Schleswiger Kaltbluts

So groß wird ein Schleswiger KaltblutSchulterhöhe im Vergleich zu einem 175 cm großen Menschen · Daten: FCI-RassestandardMensch175 cmSchleswiger KaltblutSchulterhöhe 157–162 cmca. 160 cmfutter.de · Illustration + FCI-Maßdaten

Das Schleswiger Kaltblut ist ein mittelgroßes Kaltblut mit einer Widerristhöhe von 157 bis 162 Zentimetern und einem Körpergewicht von 700 bis 800 Kilogramm. Es zählt damit zu den schweren Pferderassen, ist aber kompakter gebaut als etwa das Rheinisch-Deutsche Kaltblut oder das Noriker.

Typ und Proportionen: Die Rasse zeigt ein harmonisches, muskulöses Exterieur mit breiter Brust, kurzem, starkem Rücken und ausgeprägtem Fundament. Der charakteristische Fesselbehang ist für die Gesundheitspflege (CPL-Risiko) bedeutsam. Die Masse des Tieres beeinflusst direkt den täglichen Raufutterbedarf: Bei 750 Kilogramm Körpergewicht entspricht die Mindestmenge von 1,5 Prozent der Körpermasse in Trockenmasse bereits etwa 11,25 Kilogramm Heu täglich.

Energiebedarf im Rasse-Kontext: Kaltblüter wie das Schleswiger haben einen vergleichsweise niedrigen Erhaltungsbedarf pro Kilogramm Körpermasse. Der Energiebedarf adulter Tiere bei leichter bis mittlerer Arbeit liegt orientierungshalber bei rund 26–33 kcal umsetzbarer Energie pro Kilogramm Körpermasse täglich – dieser Wert kann bei Übergewicht oder PSSM-Disposition nach unten korrigiert werden. Im Gegensatz zu Vollblütern oder Sportpferden benötigen Schleswiger selten Kraftfutterzusätze; die Raufutterbasis deckt bei moderater Haltung den Energiebedarf in der Regel vollständig ab.

Wesen und Charakter: Was die Futteraufnahme prägt

Das Schleswiger Kaltblut gilt als außerordentlich gutmütig, ausgeglichen und unkompliziert. Es zeigt einen energischen, zugleich aber gelassenen Charakter, der im täglichen Umgang – auch beim Handling in der Fütterungssituation – zur Geltung kommt. Diese Eigenschaften erleichtern das Fütterungsmanagement erheblich: Körperkonditionskontrollen, Wiegegurtmessungen, Wechsel auf rationiertes Heu oder das Einführen eines Heunetzes werden von gut sozialisierten Schleswigern meist ohne größere Widerstände toleriert.

Ein wichtiger Wesenszug im Ernährungskontext ist die von Züchterseite dokumentierte Anspruchslosigkeit und Futterdankbarkeit. Diese Eigenschaft beschreibt biologisch die hohe Futtereffizienz der Rasse – Schleswiger sind darauf ausgelegt, mit wenig auszukommen und dabei gute Körperkondition zu halten. In der modernen Haltung, in der Futter meist reichlich vorhanden ist, bedeutet diese Veranlagung, dass Überernährung das deutlich häufigere Problem darstellt als Unterversorgung.

Das ausgeprägte Sozialverhalten der Rasse – Herdenkontakt ist für das Wohlbefinden essenziell – wirkt sich auch auf die Futteraufnahme aus: In der Gruppe gefüttert, können Rangordnungskonflikte zu Fresshetze oder Futterklau führen. Ausreichend Fressplätze (mindestens einer pro Tier, besser mehr) und räumliche Entflechtung beim Kraftfutter sind im Gruppenmanagement wichtig.

Herkunft und Geschichte: Warum der Stoffwechsel so effizient ist

Das Schleswiger Kaltblut entstammt der Region Schleswig – dem heutigen nördlichen Schleswig-Holstein und dem südlichen Dänemark. Vorläufer dieses Schlags sind seit der Antike überliefert; die systematische Zucht begann im 19. Jahrhundert, geprägt durch die Einkreuzung des Dänischen Jütländers sowie englischer Vollblüter (Yorkshire Coach Horse). Das Schleswiger Pferdestammbuch wurde 1891 gegründet.

Die Entstehungsregion ist für das Verständnis des modernen Ernährungsbedarfs entscheidend: Die feuchten, windreichen Marschen und Niederungswiesen Norddeutschlands lieferten keinen üppigen Futterreichtum, sondern strukturreiches, aber energiearmes Grünland. Über Generationen wurden Pferde selektiert, die mit diesen Verhältnissen optimal umgingen – also bei vergleichsweise geringer Energieaufnahme arbeitsfähig und gesund blieben. Genau diese genetische Prägung erklärt die heute beobachtete Übergewichtstendenz auf modernen, nährstoffreich gedüngten Weiden.

Nach dem Rückgang des landwirtschaftlichen Arbeitspferdeeinsatzes im 20. Jahrhundert sank die Population drastisch. Heute ist die Rasse vom Aussterben bedroht und wird von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) betreut. Die meisten Schleswiger werden heute als Freizeit- und Fahrsportpferde gehalten – eine Nutzung, die einem deutlich geringeren täglichen Energieaufwand entspricht als die ursprüngliche Feldarbeit. Dieser Wandel macht gezieltes Futtermengenmanagement unverzichtbar.

Pflege und Haltung: Einfluss auf Ernährungsstatus und Gesundheit

Das Schleswiger Kaltblut ist robust und haltungsanspruchslos. Offenstall- oder Paddockboxenhaltung mit ausreichend Auslauf gilt als artgerecht und unterstützt gleichzeitig das Gewichtsmanagement: Bewegungsreize fördern den Muskelstoffwechsel, was besonders bei PSSM-Disposition relevant ist.

Fesselbehang und CPL: Der ausgeprägte Behang an den Fesseln erfordert tägliche Kontrolle auf Rötungen, Krusten, Schwellungen und Milbenbefall. Chronische Progressive Lymphödeme (CPL) entwickeln sich oft schleichend; feuchte, schmutzige Standplätze beschleunigen das Fortschreiten. Trockene Einstreu und saubere Stehflächen sind daher nicht nur Hygiene-, sondern auch Gesundheitsvorsorge – und haben indirekt Einfluss auf das Wohlbefinden, das wiederum Futteraufnahme und Stresshormonhaushalt beeinflusst.

Bewegung als Stoffwechselregulator: Regelmäßige Bewegung – ob Reiten, Fahren oder Longieren – ist für das Schleswiger nicht optional. Sie reguliert den Energiestoffwechsel, wirkt der Übergewichtstendenz entgegen und ist bei PSSM nachweislich ein wichtiger Bestandteil des Managements. Lange Stallruhe ohne Bewegung begünstigt Muskelprobleme und kann PSSM-Episoden auslösen oder verstärken.

Zahnpflege: Regelmäßige Zahnkontrollen (mindestens jährlich, bei Senioren halbjährlich) sichern eine effektive Kauarbeit. Schlecht zerkautes Raufutter erhöht das Kolikrisiko und vermindert die Nährstoffausnutzung – besonders bei älteren Tieren mit abgeflachten Kauflächen.

Gesundheit und rassetypische Dispositionen beim Schleswiger Kaltblut

Das Schleswiger Kaltblut gilt als grundsätzlich robuste, langlebige Rasse. Dennoch sind drei rassetypische Gesundheitsrisiken dokumentiert, von denen zwei – PSSM und CPL – direkt durch Fütterungs- und Haltungsmanagement beeinflusst werden können.

Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM Typ 1): PSSM bezeichnet eine Muskelerkrankung, bei der Glykogen abnormal in der Skelettmuskulatur gespeichert wird. Bei Kaltblutrassen tritt vorwiegend PSSM Typ 1 auf, verursacht durch eine Mutation im GYS1-Gen. Betroffene Pferde zeigen Steifheit, Muskelzittern, Schweißausbrüche oder Bewegungsunwilligkeit – besonders nach Ruhephasen oder kurz nach Arbeitsbeginn. Stärke- und zuckerreiche Rationen (hoher NSC-Gehalt) verschlimmern die Symptomatik, da sie die übermäßige Glykogenspeicherung weiter antreiben. Eine Reduktion der nicht-strukturellen Kohlenhydrate (NSC) auf unter 10 Prozent der Trockenmasse der Gesamtration sowie eine Erhöhung des Fettanteils als alternativer Energieträger können die klinische Symptomatik verbessern. Die Diagnose und jede Ernährungsanpassung bei PSSM-Verdacht gehören in tierärztliche und ernährungsberaterische Hände.

Equine Shivers (Shivering): Diese neuromuskuläre Erkrankung tritt bei Kaltblütern häufiger auf als bei anderen Rassen. Betroffene Tiere zeigen unwillkürliche Muskelzuckungen, besonders beim Aufheben der Hinterbeine. Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt; ein Zusammenhang mit PSSM wird diskutiert. Fütterungsstrategien ähneln denen bei PSSM: Stärke- und zuckerarm, strukturfaserreich, ausreichend Vitamin E. Im Einzelfall ist tierärztliche Begleitung unerlässlich.

Chronische Progressive Lymphödeme (CPL): CPL ist eine progrediente Bindegewebserkrankung, die bei Kaltblütern mit ausgeprägtem Fesselbehang auftritt und sich durch zunehmende Schwellungen der distalen Gliedmaßen manifestiert. Übergewicht gilt als verstärkender Faktor, da erhöhtes Körperfett den lymphatischen Abfluss zusätzlich belastet. Konsequentes Gewichtsmanagement und regelmäßige Fesselpflege können den Verlauf verlangsamen, die Erkrankung jedoch nicht heilen.

Nährstoffmangelbedingter Erkrankungen: Mangelnde Mineralstoffversorgung – insbesondere bei Kaltblütern, die ausschließlich auf strukturarmen Weiden gehalten werden – wird mit Erkrankungen wie Mauke, Ekzem und Chronisch obstruktiver Bronchitis (COB) in Verbindung gebracht. Gezieltes Mineralfutter-Ergänzen minimiert dieses Risiko.

Energiebedarf und Körperkondition: Ernährung des Schleswiger Kaltbluts

Der Energiebedarf des Schleswiger Kaltbluts richtet sich nach Körpergewicht, Arbeitsniveau, Lebensstadium und individuellem Stoffwechsel. Grundsätzlich gilt: Diese Rasse gehört zu den leichtfuttrigsten Pferderassen überhaupt – eine Tatsache, die in der Praxis häufig unterschätzt wird.

Erhaltungsbedarf und Körperkonditionsmanagement: Als Orientierungsgröße liegt der Energiebedarf adulter Schleswiger im Erhalt bei etwa 26–33 kcal umsetzbarer Energie pro Kilogramm Körpermasse täglich; bei PSSM-Disposition oder Übergewicht ist eher der untere Bereich anzustreben. Das Ziel ist ein Body Condition Score (BCS) nach Henneke von 4–5 auf der neunstufigen Skala. Werte über 6 gehen mit erhöhtem Risiko für Hufrehe, Insulindysregulation und Verschlechterung der PSSM-Symptomatik einher. Die regelmäßige Körperkonditionsbewertung – idealerweise mit Wiegegurt und monatlicher Dokumentation – ist ein unverzichtbares Werkzeug im Fütterungsmanagement.

Raufutterbedarf als Basis: Die tägliche Mindestmenge an Raufutter beträgt 1,5 Prozent des Körpergewichts in Trockenmasse – bei einem 750 Kilogramm schweren Schleswiger also mindestens 11,25 Kilogramm Heu täglich. Lange Fresspausen (über 4 Stunden) sind zu vermeiden, da sie das Risiko für Magengeschwüre und Koliken erhöhen. Gleichzeitig darf bei übergewichtigen Tieren die Menge nicht unbegrenzt steigen: Rationiertes Heu über ein engmaschiges Heunetz verlangsamt die Aufnahme und verlängert die Fressdauer, ohne die Gesamtenergiemenge unkontrolliert zu erhöhen.

Lebensphasen:

  • Fohlen (0–6 Monate): Stutenmilch als ausschließliche Nahrung; ab der zweiten bis dritten Lebenswoche exploratives Probieren von Heu und Mineralfutter der Mutter. Kaltblutstutenmilch ist fettreicher als die vieler Warmblüter – Fohlen dieser Rasse neigen daher früh zu überdurchschnittlicher Gewichtszunahme. Übermäßige Energieversorgung in dieser Phase kann das Osteochondrose-Risiko erhöhen.
  • Absetzfohlen und Jungpferd (6–36 Monate): Hochwertiges Rohprotein (Lysinversorgung beachten), korrektes Kalzium-Phosphor-Verhältnis (1,5:1 bis 2:1), keine übermäßige Stärkebelastung. Wachstumsfutter für schwere Rassen bevorzugen; im Zweifel tierärztliche Ernährungsberatung hinzuziehen.
  • Adultes Pferd (3–ca. 18 Jahre): Raufutterbasis, bedarfsgerechtes Mineralfutter, Kraftfutter nur bei tatsächlicher Mehrarbeit. Regelmäßige BCS-Kontrolle.
  • Senior (ab ca. 18–20 Jahren): Zahnstatus halbjährlich kontrollieren; bei eingeschränkter Kaufähigkeit auf leicht verdauliche Raufuttervarianten (z. B. gedämpftes Heu, Heucobs) umstellen. Verdauungseffizienz nimmt ab – Protein- und Mineralstoffbedarf kann steigen. Körpergewicht sorgfältig überwachen, da Senioren zwischen Untergewicht und Übergewicht schwanken können.

Raufutter, Kraftfutter und Mineralfutter: Die richtige Futterauswahl für das Schleswiger Kaltblut

Die Futterauswahl für das Schleswiger Kaltblut folgt einem klaren Prinzip: Raufutter zuerst, Kraftfutter nur bei nachgewiesenem Mehrbedarf, Mineralfutter konsequent. Was beim Warmblüter als „Standardration“ gilt, ist für dieses Kaltblut oft bereits Überversorgung.

Raufutter als unverzichtbare Basis: Heu aus dem zweiten oder dritten Schnitt – mit niedrigem Zucker- und Stärkegehalt (NSC möglichst unter 10 Prozent der Trockenmasse) – ist die ideale Grundlage. Wiesenheu aus extensiver Bewirtschaftung ist in der Regel besser geeignet als eiweißreiches Kleeheu oder frühgeschnittenes Erstschnitt-Heu mit hohem Zuckergehalt. Bei PSSM-Verdacht oder bestehender Insulindysregulation empfiehlt sich eine Heuanalyse, um den tatsächlichen NSC-Gehalt zu kennen. Liegt dieser über 10 Prozent, kann Bedampfen oder mehrstündiges Wässern des Heus den Zuckergehalt reduzieren – was jedoch auch wasserlösliche Mineralstoffe auswäscht und eine ergänzende Mineralisierung umso wichtiger macht.

Heulage (Gärfutter mit höherem Feuchtegehalt) kann als Alternative eingesetzt werden, sofern die Qualität stimmt; fehlgäriges oder schimmeliges Material ist strikt zu vermeiden, da es Kolikrisiko und Atemwegsbelastung erhöht. Bei staubarmen Haltungsbedingungen kann leicht gedämpftes Heu sinnvoll sein, wenn Atemwegsprobleme (COB) bestehen.

Weide: Fluch und Segen für das Schleswiger: Weidegras – besonders im Frühjahr und Herbst mit hohem Fruktan- und Zuckergehalt – ist für das Schleswiger Kaltblut ein ernstzunehmendes Risiko. Üppige Weiden sollten durch Weidezeitbeschränkung, Paddockintervalle oder Weidekorb rationiert werden. Morgenstunden (vor dem Sonnenhöchststand) gelten als zuckerärmer; mittags bis nachmittags sind die Fruktan-Gehalte in der Regel am höchsten. Beim Anweiden im Frühjahr ist ein schrittweiser Übergang über mindestens zwei bis drei Wochen obligatorisch, um Koliken und Hufrehe zu vermeiden.

Kraftfutter: Nur bei tatsächlichem Bedarf: Das Schleswiger Kaltblut im Freizeitbetrieb benötigt in aller Regel kein Kraftfutter. Hafer, Gerste, Mais oder stärkereiche Müslis erhöhen die NSC-Last und sind bei PSSM kontraindiziert. Wenn Mehrenergie nötig ist – etwa bei intensiver Fahrsport-Belastung, Trächtigkeit oder Laktation – sollten fettreiche, stärkearme Energieträger bevorzugt werden. Reisfleischöl, Leinöl oder speziell formulierte fettreiche Pellets für Kaltblüter liefern Energie auf einem glykogen-sparenden Stoffwechselweg, der bei PSSM Typ 1 ausdrücklich empfohlen wird. Ein Fettanteil von mindestens 10 Prozent der Energieversorgung wird in diesem Kontext diskutiert.

Mineralfutter: Pflicht, keine Option: Raufutter allein deckt den Mineralstoff- und Spurenelementbedarf von Pferden selten vollständig. Besonders Magnesium, Zink, Kupfer und Selen sind in mitteleuropäischem Heu häufig unzureichend vertreten. Ein qualitatives Mineralfutter – dosiert nach Herstellerangabe und Körpergewicht – sollte täglich verabreicht werden. Bei gewasserten oder bedampften Heus ist die Mineralisierung besonders sorgfältig zu prüfen.

Nahrungsergänzung für das Schleswiger Kaltblut: Gezielte Ergänzung bei PSSM und CPL

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine bedarfsgerechte Grundration, können aber bei spezifischen Dispositionen eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Für das Schleswiger Kaltblut stehen folgende Bereiche im Vordergrund:

Vitamin E (Alpha-Tocopherol): Vitamin E in seiner natürlichen Form (d-Alpha-Tocopherol) gilt als wichtiger antioxidativer Schutzstoff für die Muskulatur und wird bei PSSM-Pferden häufig ergänzt. Frischgras ist eine gute natürliche Quelle; bei Heufütterung ohne Weidegang kann die Versorgung lückenhaft sein. Eine Ergänzung kann nach tierärztlicher Abklärung sinnvoll sein; konkrete Dosierungen sind individuell mit dem Tierarzt festzulegen.

Öle mit günstiger Fettsäurezusammensetzung: Leinöl und Rapsöl liefern Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmende Wirkungen auf Muskelgewebe haben können und die Insulinsensitivität positiv beeinflussen sollen. Ein günstiges Omega-6/Omega-3-Verhältnis (möglichst ≤ 5:1) wird für PSSM-Pferde diskutiert. Gleichzeitig dienen Öle als energiedichte, stärkefreie Kalorienquelle – sinnvoll, wenn Mehrenergie ohne NSC-Erhöhung benötigt wird. Die Einführung sollte schrittweise erfolgen, um Verdauungsunverträglichkeiten zu vermeiden.

Magnesium: Bei neuromuskulären Beschwerden – wie sie bei Shivering und PSSM vorkommen – wird Magnesium häufig als Ergänzung diskutiert, da es an der Muskelentspannung beteiligt ist. Ob eine Supplementierung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vom tatsächlichen Versorgungsstatus ab und sollte tierärztlich abgeklärt werden.

Elektrolyte bei Fahrsport und Schweißverlust: Bei intensivem Fahrsport, langen Ausritten oder Hitzebelastung verlieren auch Kaltblüter relevante Mengen an Elektrolyten (Natrium, Kalium, Chlorid) über den Schweiß. Ergänzende Elektrolytgaben – kombiniert mit ausreichender Wasserverfügbarkeit – können in solchen Phasen sinnvoll sein. Kaltblüter schwitzen im Vergleich zu Vollblütern bei gleichem Arbeitspensum oft weniger intensiv, aber der Verlust ist nicht zu vernachlässigen.

Zink, Kupfer und Biotin: Bei CPL-Neigung und regelmäßigen Mauke- oder Hautproblemen wird die Spurenelementversorgung (insbesondere Zink und Kupfer) kritisch betrachtet. Biotin wird zur Huffestigkeit ergänzt, wenn Hufqualitätsprobleme bestehen. Alle Ergänzungen dieser Art sollten in den Kontext einer Gesamtration-Analyse gestellt und im Zweifelsfall mit fachlicher Unterstützung abgestimmt werden.

Allgemeiner Hinweis: Kein Nahrungsergänzungsmittel ersetzt eine tierärztliche Diagnose oder eine professionelle Futterberatung. Insbesondere bei PSSM und CPL ist die individuelle Situation des Pferdes entscheidend für Art und Menge einer Ergänzung.

Fütterungsmanagement in der Praxis: Heu, Wasser, Rhythmus und Weidezugang

Ein gutes Fütterungsmanagement für das Schleswiger Kaltblut beginnt nicht beim Futtermittelkauf, sondern bei der Struktur des Alltags – Wann frisst das Pferd? Wie lange? Und mit welchen Pausen?

Heuqualität und Heuauswahl: Die Heuqualität ist die wichtigste Stellschraube in der Schleswiger-Ernährung. Empfohlen wird extensives Wiesenheu mit niedrigem NSC-Gehalt (angestrebt unter 10 Prozent), das möglichst staubarm und schimmelfrei ist. Eine Heuanalyse (über landwirtschaftliche Labore oder spezialisierte Futterberatungsstellen erhältlich) schafft Klarheit über Energiedichte, Zuckergehalt und Mineralstoffprofil – und ist besonders bei PSSM-Verdacht dringend empfehlenswert. Heuwechsel – etwa beim Lieferantenwechsel im Herbst – sollten stets schrittweise über mindestens 7–10 Tage erfolgen.

Fütterungsrhythmus und Fresspausen: Das Pferd ist anatomisch auf kontinuierliche Futteraufnahme ausgelegt. Fresspausen von mehr als vier Stunden erhöhen das Magengeschwür- und Kolikrisiko. Für Schleswiger, die aus Gewichtsgründen rationiertes Heu erhalten, bieten sich engmaschige Heunetze (Maschenweite 3–4 cm) an: Sie verlangsamen die Aufnahmegeschwindigkeit, verlängern die Fresszeit und reduzieren Langeweile ohne Mehraufnahme. Mindestens drei Heugaben täglich sind sinnvoll; Raufutter-Automaten oder ad-libitum-Netze können bei schlanken Tieren ohne PSSM die kontinuierliche Versorgung sicherstellen.

Wasserversorgung: Frisches, sauberes Wasser muss immer frei verfügbar sein – mindestens 30–50 Liter täglich, bei Hitze oder Arbeit deutlich mehr. Tränken und Eimer regelmäßig reinigen; verschmutztes oder zu kaltes Wasser (unter 5 °C) kann die Wasseraufnahme reduzieren und das Kolikrisiko erhöhen.

Anweidemanagement: Im Frühjahr steigt der Fruktan- und Zuckergehalt in jungem Gras rasch an. Schleswiger sollten schrittweise an die Weide gewöhnt werden – beginnend mit 15–30 Minuten täglich, wöchentlich steigernd. Tiere mit PSSM-Diagnose oder Übergewicht profitieren von morgendlichem Weidegang (vor 10 Uhr), wenn der Zuckergehalt noch vergleichsweise gering ist. Im Sommer auf üppigen Weiden können Weidekörbe oder Nachtaufstallung sinnvolle Instrumente sein, um die Energieaufnahme zu kontrollieren.

Futterumstellungen: Jede Veränderung der Ration – ob neues Heu, neues Mineralfutter oder Beginn einer Ölergänzung – sollte nie abrupt erfolgen. Schrittweise Übergänge über mindestens eine Woche schützen die sensible Darmflora und reduzieren das Kolikrisiko erheblich.

Quellen

  1. [1]FEDIAF Nutritional Guidelines 2025guideline
  2. [2]NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Catsguideline
  3. [3]Studie: Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM)study
  4. [4]Wikipedia: Schleswiger Kaltblutwikipedia
  5. [5]Rassefütterung Kaltblut | Dr. Susanne Weyrauchweb
  6. [6]Schleswiger Kaltblut im Rasseportrait | ehorses Magazinweb
  7. [7]Das Schleswiger Kaltblut | PROVIEHweb
  8. [8]Kaltblutpferd verstehen – Haltung, Fütterung, Stoffwechselweb

Hinweis

Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Nahrungsergänzung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.

Häufige Fragen

Fragen zur Ernährung & Haltung

Autor

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Fachliche Prüfung

Tierärztliches Review im Aufbau (Klinik-Partner). Medizinische Aussagen sind quellenbelegt. Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2026.

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