Pferdefutter Kaltblut: PSSM-Management
Pferdefutter für das Rheinisch-Deutsche Kaltblut: PSSM-Management bei außergewöhnlicher Futterverwertung.
- Stockmaß
- 158–165 cm
- Herkunft
- Deutschland (Rheinland)

Rheinisch-Deutsches Kaltblut: Das Wichtigste zur Ernährung auf einen Blick
Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut ist eine der bedeutendsten schweren Arbeitspferderassen Mitteleuropas – und zugleich ein Paradebeispiel für außergewöhnlich hohe Futterverwertungseffizienz. Wo Warmblüter vergleichbarer Größe regelmäßiges Kraftfutter benötigen, kommt das Kaltblut bei moderater Belastung in der Regel vollständig mit qualitativem Heu aus. Diese Eigenschaft, historisch ein Überlebensvorteil im bäuerlichen Betrieb, erfordert in moderner Freizeithaltung ein aktives Rationsmanagement: Zu viel Energie führt rasch zu Übergewicht, das wiederum Insulindysregulation, PSSM-Symptome und Gelenkbelastung verstärkt.
Die wichtigsten Eckpunkte zusammengefasst:
- Raufutter ist die unverzichtbare Basis: Heu mit niedrigem Nicht-strukturellen-Kohlenhydrat-Anteil (NSC) bildet den Kern jeder Ration; mindestens 1,5 % des Körpergewichts an Trockenmasse täglich, verteilt über möglichst viele Mahlzeiten.
- Kraftfutter nur bei nachgewiesenem Mehrbedarf: Schwere Arbeit, Trächtigkeit oder Laktation können Kraftfutterzusätze rechtfertigen – nicht aber die reine Freizeithaltung.
- PSSM als zentrales Fütterungsthema: Bis zu 36 % der belgischen und rheinisch-deutschen Kaltblutwaren genetisch für PSSM Typ 1 prädisponiert; stärkereiche Rationen sind deshalb grundsätzlich zu meiden.
- Mineralfutter ausgleichen: Raufutter allein deckt den Mineralstoffbedarf selten vollständig; ein bedarfsgerechtes Mineralfutter ist Standard.
- Fresspausen vermeiden: Lange Pausen ohne Raufutter erhöhen das Magengeschwür- und Kolikrisiko.
Größe, Statur und Körperbau: Was die Körpermasse fütterungstechnisch bedeutet
Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut gehört zur Gruppe der schweren Warmblüter – genauer: der europäischen Kaltblüter – und erreicht eine Widerristhöhe von 158 bis 165 cm. Das Gewicht adulter Tiere liegt je nach Geschlecht und Kondition typischerweise zwischen 700 und 900 kg, in Einzelfällen auch darüber. Diese Körpermasse hat unmittelbare Konsequenzen für die Rationsberechnung.
Raufutterbedarf aus dem Körpergewicht ableiten:
Der Richtwert von 1,5 % des Körpergewichts an Trockenmasse Raufutter täglich ergibt bei einem 800 kg schweren Kaltblut eine Tagesmenge von rund 12 kg Heu-Trockenmasse. Handelsübliches Heu enthält je nach Ernte und Lagerung ca. 85 % Trockenmasse, sodass die tatsächlich vorgelegte Menge entsprechend höher liegt. Bei leichter Arbeit oder Ruhephase kann die Raufuttermenge auf bis zu 2 % des Körpergewichts steigen – wichtig ist dabei, die Qualität (NSC-Gehalt) parallel im Blick zu behalten.
Breiter, tiefer Brustkorb – besondere Gegebenheiten:
Der massige, tiefe Rumpf des Kaltbluts bedingt ein großes Blinddarmvolumen; das Verdauungssystem ist für große Raufuttermengen ausgelegt. Umso problematischer sind stärke- und zuckerreiche Rationen, die den Dünndarm überlasten und das Dickdarmmilieu destabilisieren können.
Wesen und Temperament: Gelassenheit mit hohem Arbeitswillen
Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut gilt als gutmütig, ausgeglichen und von hoher Nervenstärke. Das phlegmatische Grundtemperament – deutlich weniger reaktiv als bei Warmblütern – macht die Rasse berechenbar und für verschiedene Einsatzbereiche tauglich. Gleichzeitig zeigt sie eine ausgeprägte Leistungsbereitschaft und einen großen Arbeitswillen, der von Halterinnen und Haltern aktiv genutzt werden sollte.
Diese Charaktereigenschaften haben direkte fütterungsrelevante Konsequenzen: Das Kaltblut zeigt Unwohlsein oder Mangelzustände häufig später und subtiler als sensiblere Rassen. Verhaltensauffälligkeiten wie Koppen, Weben oder erhöhte Reizbarkeit – Hinweise auf Magenprobleme oder Fresspausen-Stress – können beim Kaltblut länger unerkannt bleiben. Umso wichtiger ist eine proaktive Beobachtung des Fress- und Trinkverhaltens sowie der Kotkonsistenz.
Der als „leichtfuttrig“ beschriebene Stoffwechsel ist kein Mythos, sondern physiologisch messbar: Kaltblüter haben im Vergleich zu Warmblütern gleicher Körpermasse einen geringeren Erhaltungsbedarf. In der modernen Haltung mit eingeschränktem Bewegungsangebot und hochwertigen Raufutterqualitäten bedeutet das, dass die Ration konsequent auf einen Körperkonditionsscore (BCS) von 4 bis 5 auf der 9-Punkte-Skala ausgerichtet werden sollte.
Herkunft und Geschichte: Vom Arbeitspferd zum Freizeitpartner – mit bleibendem Stoffwechsel-Erbe
Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut ist eine verhältnismäßig junge Rasse: Ab 1850 begann im Rheinland die systematische Kreuzung einheimischer Stuten mit Brabantern und belgischen Ardennern. 1876 erklärte die preußische Gestütsverwaltung das Rheinland zur Kaltblutprovinz; 1892 wurde das Rheinische Pferdestammbuch mit 148 Zuchtstuten gegründet. Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts markierte die Blütezeit der Rasse mit nahezu 27.000 eingetragenen Stuten im Jahr 1946.
Der enge Bezug zur belgischen Brabantzucht ist fütterungsrelevant: Der belgische Einfluss brachte nicht nur die imposante Körpermasse, sondern auch genetische Dispositionen wie die PSSM1-Mutation (GYS1) mit, deren Häufigkeit in belgischen und rheinisch-deutschen Kaltblütern bei bis zu 36 % liegt. Diese Mutation war in der ursprünglichen Arbeitshaltung – mit täglich vielen Stunden schwerer Arbeit und viel Heu – kaum klinisch relevant. In moderner Freizeithaltung mit weniger Bewegung und energiereicherem Futter hingegen manifestiert sie sich häufig als Muskelschwäche, Steifigkeit und episodische Myopathie.
Die Mechanisierung der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die Bestände auf einen Tiefstand von nur 13 Mitgliedern und 11 eingetragenen Stuten im Jahr 1975 schrumpfen. Seitdem erlebt die Rasse eine Renaissance im Freizeit- und Fahrsportbereich sowie in der umweltschonenden Forstwirtschaft. Diese veränderten Nutzungsbedingungen – weniger Ausdauerarbeit, mehr Paddockzeiten – machen ein überlegtes Fütterungskonzept zur Grundvoraussetzung gesunder Haltung.
Pflege und Haltung: Was Fesselbart und Körpermasse fütterungsbegleitend erfordern
Die Pflegeroutine des Rheinisch-Deutschen Kaltbluts ist untrennbar mit der Gesundheits- und Ernährungsbeobachtung verknüpft. Der markante Fesselbart – das dichte, lange Haar an den Unterfesseln – erfordert tägliche Sichtkontrolle auf Schwellungen, Rötungen und nässende Stellen, da er Erstsymptome Chronischer Progressiver Lymphödeme (CPL) verdecken kann. CPL-Verläufe werden durch Übergewicht begünstigt: Überschüssige Körpermasse erhöht den hydrostatischen Druck im Venensystem der Gliedmaßen und verstärkt die lymphatische Belastung.
Hufpflege und Stallhygiene als Ernährungskontext:
Die breiten, flachen Hufe des Kaltbluts sind auf weichem Untergrund optimal, auf hartem Boden jedoch anfälliger für Huflederhautentzündungen. Schmutzige, feuchte Einstreu begünstigt zudem Strahlfäule. Die Hufpflege sollte regelmäßig und engmaschig erfolgen; im Kontext von PSSM-Episoden ist rasches Erkennen von Lahmheit oder Steifigkeit nach der Stallruhe essenziell.
Stallklima und Atemwege:
Kaltblüter in schlecht belüfteten Stallungen neigen zu chronisch obstruktiver Bronchitis (COB). Staubiges Heu verschärft dieses Risiko erheblich: Bei Pferden mit bestehender Atemwegssensibilität sollte Heu bedampft oder gegen staub- und sporenreduzierte Heulage ausgetauscht werden. Gute Stallbelüftung ist keine Komfortfrage, sondern Teil des Präventionskonzepts.
Gewichtskontrolle als Pflegeaufgabe:
Regelmäßiges Wiegen oder Maßbandmessen (Herzumfang-Methode) in Kombination mit der BCS-Beurteilung sollte fester Bestandteil der monatlichen Routine sein – Übergewicht ist beim Kaltblut oft optisch schwer erkennbar, da Fettdepots unter dem dichten Fell verborgen bleiben.
Gesundheit: Rassetypische Erkrankungen mit direktem Futterbezug
Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut trägt mehrere dokumentierte Rasseprädispositionen, die unmittelbar mit der Fütterung zusammenhängen oder durch die Ration maßgeblich beeinflusst werden.
Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM)
PSSM ist die bedeutendste fütterungsrelevante Erkrankung dieser Rasse. Studien zeigen eine Häufigkeit der PSSM1-Mutation (GYS1) von bis zu 36 % bei belgischen und rheinisch-deutschen Kaltblütern. Betroffene Pferde speichern in der Muskulatur übermäßig Glykogen aus Stärke und Zucker, was zu Muskelschwäche, Steifigkeit, episodischem Festliegen und erhöhten Muskelenzymen (CK, AST) führt. Die wichtigste diätetische Maßnahme ist die Beschränkung nicht-struktureller Kohlenhydrate (NSC) auf unter 10 % der Trockenmasseaufnahme, kombiniert mit ausreichend Bewegung und einer mäßig erhöhten Fettzufuhr als alternativer Energiequelle. Ob ein Tier genetisch betroffen ist, lässt sich per Gentest feststellen – die Entscheidung dazu sollte in Absprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt getroffen werden.
Chronische Progressive Lymphödeme (CPL)
Bei stark befesselten Kaltblutrassen tritt CPL gehäuft auf. Übergewicht verstärkt den venösen Rückstaudruck und damit die lymphatische Belastung der Unterbeine erheblich. Gewichtsmanagement ist deshalb Teil der CPL-Prävention und -Therapiebegleitung.
Equine Shivers (Shivering)
Bei großen Kaltblütern wird Shivering – ein neurologisch-muskuläres Syndrom mit unwillkürlichem Zittern der Hinterhand – überdurchschnittlich häufig beobachtet. Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig geklärt; eine Verbindung zu PSSM wird diskutiert. Pferde mit Shivering sollten besonders engmaschig hinsichtlich ihres Muskelstoffwechsels und ihrer Kraftfutterration beobachtet werden.
Junctional Epidermolysis Bullosa (JEB)
Durch den belgischen Zuchthintergrund besteht ein Trägerrisiko für die LAMC2-Mutation, die zu JEB führt – einer schweren Blasenbildung der Haut bei betroffenen Fohlen. JEB ist in erster Linie ein Zuchtproblem; Träger können durch Gentest identifiziert werden.
Atemwegserkrankungen (COB)
Kaltblüter in staubigen Haltungsumgebungen zeigen eine erhöhte Anfälligkeit für chronisch obstruktive Bronchitis. Staubiges oder schimmeliges Heu ist hier ein direkter Auslöser; bedampftes Heu oder gut fermentierte, hygienisch einwandfreie Heulage kann das Risiko reduzieren.
Ernährung und Energiebedarf: Konditionsmanagement beim effizienten Futterverwerter
Der Energiebedarf des Rheinisch-Deutschen Kaltbluts liegt im Verhältnis zur Körpermasse deutlich unter dem vergleichbarer Warmblüter. Als Richtwert für den Erhaltungsbedarf adulter Kaltblüter bei leichter bis moderater Arbeit gelten etwa 26–33 kcal umsetzbarer Energie pro Kilogramm Körpermasse und Tag – am unteren Ende dieser Spanne bei Leichtarbeit und gutem Heu, am oberen Ende bei schwererer Arbeitsbelastung oder ungünstiger Heuqualität. Der angestrebte Körperkonditionsscore (BCS) liegt bei 4–5 auf der 9-Punkte-Skala nach Henneke; Werte ab 6 signalisieren Übergewicht mit entsprechenden Gesundheitsrisiken.
Lebensphase: Fohlen und Jungpferde
Kaltblutfohlen wachsen langsamer und reifen später aus als leichtere Rassen; der Wachstumsabschluss liegt beim Rheinisch-Deutschen Kaltblut zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr. In der Aufwuchsphase sind ausreichende Kalzium- und Phosphorversorgung sowie eine behutsame Energiezufuhr entscheidend: Zu viel Energie fördert schnelles Wachstum, das die Gelenke belastet und das OCD-Risiko erhöht. Fohlenfutter sollte einen erhöhten Protein- und Mineralstoffanteil aufweisen, gleichzeitig jedoch stärkereiche Kraftfuttermittel minimieren.
Lebensphase: Adulte Pferde (ca. 3–15 Jahre)
Bei moderater Arbeit – bis zu zwei Stunden Fahrsport oder Freizeitreiten täglich – ist qualitativ hochwertiges Heu in der Regel die einzige notwendige Energiequelle. Ein bedarfsgerechtes Mineralfutter ergänzt die Ration. Kraftfutter ist bei dieser Nutzungsintensität häufig überflüssig und erhöht das Risiko von Übergewicht und PSSM-Schüben.
Lebensphase: Stuten in Trächtigkeit und Laktation
Im letzten Trächtigkeitsdrittel und während der Laktation steigen Energie-, Protein- und Mineralstoffbedarf deutlich an. Hier kann ein angepasstes Zuchtpferdefutter sinnvoll sein – die genaue Rationszusammenstellung sollte tierärztlich oder ernährungsberaterisch begleitet werden.
Lebensphase: Senioren (ab ca. 15 Jahren)
Ab dem 15. Lebensjahr nimmt die Kaufähigkeit durch Zahnabnutzung ab; energiereiche, leicht kaubare Raufutteralternativen (z. B. Heucrobs, eingeweichte Heucobs, gedämpftes Heu) können notwendig werden. Gleichzeitig erhöht PPID (Equines Cushing-Syndrom) im Alter das Risiko sekundärer Insulindysregulation, was eine erneute Überprüfung des NSC-Gehalts der Ration nahelegt.
Pferdefutter für das Rheinisch-Deutsche Kaltblut: Raufutter, Kraftfutter und Stärke-Management
Die Rationsgestaltung für das Rheinisch-Deutsche Kaltblut folgt einem klaren Prinzip: Raufutter zuerst – und möglichst viel davon. Kraftfutter, Müsli und stärkereiches Getreide sind die Ausnahme, nicht die Regel.
Heu: Die Grundlage der Ration
Heu der Qualitätsstufe II–III (späte bis mittlere Schnittzeitpunkte, strukturreich, nicht zu proteinreich) ist die bevorzugte Raufutterform. Ausschlaggebend für PSSM-prädisponierte Tiere ist der NSC-Gehalt (Stärke + wasserlösliche Kohlenhydrate): Heu mit einem NSC-Wert über 10–12 % der Trockenmasse sollte gemieden werden. Eine Heuanalyse durch ein Futterlabor liefert valide Werte; pauschale Beurteilungen nach Aussehen oder Geruch sind nicht ausreichend. Bei Bedarf kann Heu eingeweicht werden (30–60 Minuten in kaltem Wasser), um den wasserlöslichen Zuckeranteil zu reduzieren.
Heulage und Silage
Heulage kann eine sinnvolle Alternative bei staubbedingten Atemwegsproblemen sein, da sie deutlich sporenärmer als staubiges Heu ist. Voraussetzung ist eine einwandfreie Fermentationsqualität: Schlecht fermentierte oder angeschimmelte Heulage birgt ein erhöhtes Botulismusrisiko und ist stets zu verwerfen.
Weide
Weidegang ist für Kaltblüter grundsätzlich wertvoll – fördert Bewegung, soziales Verhalten und psychisches Wohlbefinden. Junges, zuckerreiches Frühjahrsgras kann jedoch bei PSSM-Pferden und Tieren mit Tendenz zur Insulindysregulation kritisch sein: Die hohen Fruktanwerte im Frühjahrsgras und nach Kältestress der Gräser können Hufreheschübe und PSSM-Episoden auslösen. Anweiden im Frühjahr sollte schrittweise über zwei bis drei Wochen erfolgen; Pferde mit erhöhtem Risiko sollten erst nach dem Abmorgen (wenn der Fruktan-Peak in den Gräsern abgeklungen ist) auf die Weide.
Kraftfutter und Müsli: Nur bei echtem Mehrbedarf
Korngetreide (Hafer, Gerste, Mais) und viele kommerzielle Müslis liefern hohe NSC-Anteile und sind für das ruhig gehaltene Kaltblut ohne intensiven Arbeitsanteil in der Regel kontraindiziert. Wenn Kraftfutter bei schwerer Arbeit, Laktation oder Mangelversorgung indiziert ist, eignen sich NSC-arme Produkte auf Basis von Rübentrockenschnitzeln, Luzernecobs oder Reiskleie besser als stärkebetontes Getreide. Reisfleischöl oder Leinöl können als Energieträger sinnvoll eingesetzt werden, um den Fettanteil zu erhöhen, ohne den NSC-Anteil zu steigern.
Mineralfutter und Salzleckstein
Ein ausgewogenes Mineralfutter – auf die Heuqualität abgestimmt – ist für jedes Kaltblut empfehlenswert. Besonders Selen, Vitamin E, Zink und Kupfer sind in vielen deutschen Heusorten unterversorgt. Ein Salzleckstein (Natriumchlorid) sollte dauerhaft zur Verfügung stehen, um die Mineralstoff- und Flüssigkeitsaufnahme zu unterstützen.
Nahrungsergänzung für das Rheinisch-Deutsche Kaltblut: Gezielt statt pauschal
Nahrungsergänzungsmittel für das Rheinisch-Deutsche Kaltblut sollten sich an den dokumentierten Rasseprädispositionen und dem individuellen Versorgungsstatus orientieren – nicht an Pauschalangeboten. Folgende Ergänzungen werden in Zusammenhang mit den bekannten Risikoprofilen dieser Rasse diskutiert; im Einzelfall ist die Abstimmung mit einer Tierärztin, einem Tierarzt oder einer Pferdeernährungsberatung empfehlenswert.
Vitamin E (als natürliches Alpha-Tocopherol)
Vitamin E gilt als wichtigstes antioxidatives Vitamin für die Muskulatur des Pferdes. Bei PSSM-prädisponierten Tieren wird eine ausreichende Vitamin-E-Versorgung als unterstützend diskutiert, da oxidativer Stress die Muskelschädigung bei Myopathie-Episoden verschärfen kann. Der Bedarf liegt bei adulten Pferden in Arbeit über dem Erhaltungsbedarf; Weidegras liefert in der Regel ausreichend natürliches Vitamin E, Heu jedoch kaum noch. Eine Ergänzung kann insbesondere bei winterlicher Heufütterung ohne Weidegang sinnvoll sein.
Fett (Öle) als Energieträger
Für PSSM-Pferde wird eine moderate Erhöhung des Fettanteils in der Ration empfohlen, da Fett als Energieträger den Glykogenstoffwechsel entlastet. Leinöl liefert zudem ein günstiges Omega-3/Omega-6-Verhältnis. Omega-3-Fettsäuren aus Leinöl oder – in geringerem Ausmaß – Fischöl werden im Zusammenhang mit anti-inflammatorischen Effekten auf betroffene Muskulatur und verbesserter Insulinsensitivität diskutiert. Eine schrittweise Eingewöhnung über mehrere Wochen ist bei Ölergänzungen ratsam.
Selen und Vitamin E in Kombination
Selen und Vitamin E wirken synergistisch in der antioxidativen Muskelschutzfunktion. In selenarmen Regionen Deutschlands – was für viele Mittelgebirgslagen zutrifft – kann eine Selenergänzung sinnvoll sein. Achtung: Selen hat eine geringe therapeutische Breite; eine Überdosierung ist toxisch. Die Selenversorgung sollte vor einer Ergänzung durch Blutuntersuchung abgeklärt werden.
Elektrolyte bei Arbeit und Schwitzen
Das Kaltblut bildet bei schwerer Arbeit aufgrund seiner Körpermasse vergleichsweise viel Schweiß. Natrium, Kalium, Chlorid und Magnesium gehen über den Schweiß verloren. Bei intensivem Fahrsport oder Forstarbeit im Sommer kann eine gezielte Elektrolytergänzung sinnvoll sein, um Muskelkrämpfe und Erschöpfung vorzubeugen. In der Freizeithaltung mit moderater Belastung ist ein dauerhaft zugänglicher Salzleckstein in der Regel ausreichend.
Biotin und Zink für Huf und Haut
Bei Pferden mit Neigung zu weichem Hufhorn oder Hautproblemen im Fesselbereich – beides beim Kaltblut nicht selten – wird eine ausreichende Biotin- und Zinkversorgung empfohlen. Beide Nährstoffe spielen eine Rolle in der Hufhornbildung und Hautbarriere.
Fütterungsmanagement im Alltag: Heu-Qualität, Rhythmus, Wasser und Weide
Eine ausgewogene Ration für das Rheinisch-Deutsche Kaltblut ist nur so gut wie das Fütterungsmanagement, das sie begleitet. Folgende Aspekte sind entscheidend:
Heu-Qualität kennen und kontrollieren
Für PSSM-prädisponierte Kaltblüter ist die Heuanalyse kein Luxus, sondern sinnvolle Investition: Der NSC-Gehalt (Stärke + wasserlösliche Kohlenhydrate) sollte idealerweise unter 10–12 % der Trockenmasse liegen. Heu aus extensiv bewirtschafteten Wiesen, mittlerem oder spätem Schnitt und ohne hohen Stickstoffdünger-Einsatz ist tendenziell besser geeignet. Muffiges, staubiges oder schimmeliges Heu ist in jedem Fall zu verwerfen – es schadet den Atemwegen und kann Magen-Darm-Störungen verursachen.
Fütterungsrhythmus und Fresspausen
Das Pferd ist physiologisch als Dauerfresser ausgelegt; sein Magen produziert kontinuierlich Salzsäure, auch ohne Futteraufnahme. Fresspausen von mehr als vier Stunden erhöhen das Risiko von Magengeschwüren und säurebedingten Koliken erheblich. Für das Kaltblut empfiehlt sich Heu in Raufen mit engmaschigem Gitter oder in Heunetzen mit kleinen Maschen (3–4 cm), um die Aufnahmegeschwindigkeit zu verlangsamen und gleichzeitig eine weitgehend kontinuierliche Futteraufnahme zu ermöglichen. Dies ist besonders relevant bei Tieren mit Übergewichtsneigung, bei denen die Raufuttermenge reduziert werden muss.
Wasserversorgung
Frisches, sauberes Wasser muss unbegrenzt und ständig zugänglich sein. Pferde trinken täglich 20–60 Liter, je nach Temperatur, Arbeitsbelastung und Futterart. Im Winter sollte Trinkwasser auf mindestens 10–12 °C erwärmt oder Heiztränken eingesetzt werden, da Pferde sehr kaltes Wasser (unter 5 °C) häufig meiden – Dehydratation ist ein relevanter Kolikauslöser.
Weide- und Anweidemanagement
Der Übergang von Winter-Heu- auf Frühjahrsweidefütterung muss schrittweise über mindestens zwei, besser drei Wochen erfolgen. Das schützt die Darmflora im Dickdarm vor abrupten Substratveränderungen und senkt das Kolikrisiko. Bei PSSM-Pferden und Tieren mit Insulindysregulationstendenz empfiehlt sich das Aufweichen des Risikos durch Weidezugang erst nach dem Abmorgen (nach ca. 10 Uhr), wenn der Fruktan-Peak in den Gräsern seinen Tageshöhepunkt überschritten hat. Weidestunden sollten anfangs auf 30–60 Minuten begrenzt und dann wöchentlich gesteigert werden.
Abrupte Futterwechsel vermeiden
Jeder Wechsel – von Heuernte zu Heuernte, von Heu zu Heulage, von Sommer- auf Winterration – sollte über mindestens sieben bis zehn Tage erfolgen. Die Darmflora im Blinddarm und Dickdarm benötigt Zeit zur Adaptation; abrupte Wechsel sind eine der häufigsten vermeidbaren Kolikursachen.
Quellen
- [1]FEDIAF Nutritional Guidelines 2025guideline
- [2]NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Catsguideline
- [3]Studie: Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM)study
- [4]Studie: Junctional Epidermolysis Bullosa (JEB)study
- [5]Wikipedia: Rheinisch-Deutsches Kaltblutwikipedia
- [6]Rheinisch-Deutsches Kaltblut im Rasseportrait | ehorses Magazinweb
- [7]Rassefütterung Kaltblut | Dr. Susanne Weyrauchweb
- [8]Gesundheit - Die sanften Riesen - Shire Horse und Clydesdaleweb
- [9]Kaltblüter: Rassen, Eigenschaften & Einsatz | ehorses Magazinweb
- [10]Kaltblutpferd verstehen – Haltung, Fütterung, Stoffwechselweb
Hinweis
Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Nahrungsergänzung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.
Fragen zur Ernährung & Haltung
futter.de-Redaktion. KI-gestützt erstellt aus unserer geprüften Datenbasis, redaktionell kuratiert.
Tierärztliches Review im Aufbau (Klinik-Partner). Medizinische Aussagen sind quellenbelegt. Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2026.
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