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Rasse-Ratgeber · Pferd

Pferdefutter Fjordpferd: Gewichtsmanagement

Pferdefutter für das Norwegische Fjordpferd als Easy Keeper. Artgerechte Ernährung für robuste nordische Rasse.

Stockmaß
135–150 cm
Herkunft
Norwegen
Illustration: Pferdefutter Fjordpferd: Gewichtsmanagement

Norwegisches Fjordpferd auf einen Blick: der geborene Sparsamkeits-Stoffwechsel

Das Norwegische Fjordpferd ist eine der ältesten und genetisch reinsten Pferderassen Europas. Sein unverwechselbares Erscheinungsbild – der falbe Grundton, der charakteristische Aalstrich und die zweifarbige, geschnittene Mähne – ist sofort erkennbar. Doch hinter der robusten Optik verbirgt sich ein Stoffwechsel, der für Pferdehalter in Mitteleuropa zur größten Herausforderung werden kann.

Die Rasse wurde über Jahrtausende auf kargen Bergweiden Westnorwegens selektiert, auf denen Futtermenge und Qualität saisonal stark schwankten. Das Ergebnis ist ein Pferd, das aus minimalem Futter maximalen Nutzen zieht – ein sogenannter Easy Keeper. In der modernen Pferdehaltung mit nährstoffreichem Heu, üppigen Koppeln und gut gemeintem Kraftfutter wird diese Eigenschaft zum Risiko: Übergewicht, Equines Metabolisches Syndrom (EMS), Hufrehe und PSSM sind die vier zentralen ernährungsbedingten Gesundheitsrisiken der Rasse.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Raufutter (Heu) bildet die unverzichtbare Basis – mindestens 1,5 % des Körpergewichts als Trockenmasse täglich
  • Kraftfutter nur bei nachgewiesenem Mehrbedarf (Arbeit, Trächtigkeit, Laktation)
  • Zuckerarmes, spät geschnittenes Heu bevorzugen
  • Lange Fresspausen (über vier Stunden) vermeiden – Magengeschwür-Risiko
  • Körperkonditionsscore regelmäßig prüfen und dokumentieren

Größe, Statur und Körperbau: kompakt, kräftig, kalorieneffizient

So groß wird ein Norwegisches FjordpferdSchulterhöhe im Vergleich zu einem 175 cm großen Menschen · Daten: FCI-RassestandardMensch175 cmNorwegisches FjordpferdSchulterhöhe 135–150 cmca. 143 cmfutter.de · Illustration + FCI-Maßdaten

Das Norwegische Fjordpferd steht mit einer Widerristhöhe von 135 bis 150 cm an der Grenze zwischen großem Pony und kleinem Pferd. Zuchtverbände ordnen die Rasse als Kleinpferd ein. Die Statur ist ausgesprochen kompakt und muskulös: kurzer, breiter Rücken, kräftige Gliedmaßen, tiefe Brust und ein ausgeprägter Unterhalsansatz – letzteres ein häufiges Merkmal von Rassen mit metabolischer Neigung zu Insulindysregulation.

Diese Konstitution ist kein Zufall, sondern das Ergebnis natürlicher Selektion auf Leistung unter Nahrungsknappheit. Der Energiebedarf im Erhaltungsstoffwechsel eines durchschnittlichen Fjordpferdes liegt deutlich unter dem eines gleichschweren Warmblüters. Wer den Energiebedarf nach Warmblut-Tabellen berechnet, füttert das Fjordpferd systematisch zu viel.

Bei der Rationierung gilt: Körpergewicht und Body Condition Score (BCS) sind die entscheidenden Steuergrößen. Der BCS sollte beim adulten Fjordpferd idealerweise bei 4–5 von 9 liegen. Werte ab 7 von 9 gelten als deutlich übergewichtig und erhöhen das Risiko für insulindysregulationsbedingte Hufrehe messbar.

Wesen und Charakter: gutmütig, ausdauernd, eigenständig

Das Fjordpferd gilt als ausgeglichen, gelehrig, ruhig und ausgesprochen gutmütig. Diese Eigenschaften haben es zum universellen Arbeits- und Freizeitpferd Norwegens gemacht – es wurde als Reit-, Kutsch-, Acker-, Rücke- und Packpferd eingesetzt. Heute ist es vor allem im Fahrsport, in der Reittherapie und im Freizeitbereich beliebt, wo sein ruhiges Temperament besonders geschätzt wird.

Für die Ernährung ist das Wesen an einer Stelle relevant: Das Fjordpferd zeigt eine hohe Fressmotivation und neigt dazu, verfügbares Futter konsequent aufzunehmen, solange es vorhanden ist. Im Weidegang bedeutet das, dass Fjordpferde auf üppigen Frühjahrsweiden innerhalb von Wochen kritisches Übergewicht entwickeln können. Gleichzeitig reagieren Pferde dieser Rasse auf unzureichende Raufutterversorgung und lange Fresspausen mit Stress – eine Balance, die sorgfältiges Management erfordert.

Die Eigenständigkeit der Rasse, die im Arbeitsalltag als Vorzug gilt, kann sich beim Fütterungsmanagement als Herausforderung zeigen: Fjordpferde sind erfinderisch darin, Zugang zu Futter zu finden, und sollten daher in gemischten Herden mit Kraftfutter-abhängigen Rassen gesondert gefüttert werden.

Herkunft und Geschichte: Wikingerpferd auf Kargweiden – was das für heutige Halter bedeutet

Das Norwegische Fjordpferd stammt aus Vestland (Westnorwegen), insbesondere aus den Provinzen Sogn og Fjordane sowie Møre og Romsdal. DNA-Analysen weisen auf eine direkte Abstammungslinie vom Wildpferd hin, was die Rasse zu einer der genetisch ursprünglichsten Europas macht. Seit 1907 wird in Reinzucht gezüchtet, ohne Einkreuzung fremder Rassen.

Die historischen Weideflächen Westnorwegens sind geprägt von kargem Berggrünland, kurzen Vegetationsperioden und langen Wintern. Pferde, die auf diesen Flächen überlebten und arbeiteten, besaßen zwangsläufig einen hocheffizienten Energiestoffwechsel. Diese genetische Prägung ist über Jahrhunderte stabil geblieben – auch wenn das Fjordpferd heute auf mitteleuropäischen Gras-Intensivweiden gehalten wird.

Der Kontrast könnte größer kaum sein: Deutsches Wirtschaftsgrasland mit hohem Zucker- und Stärkegehalt, mehrschnittiges energiereiches Heu und gut gemeinte Kraftfutterzulagen treffen auf einen Stoffwechsel, der für westnorwegische Kargflächen optimiert ist. Diese Diskrepanz ist der Ursprung der meisten ernährungsbedingten Erkrankungen bei der Rasse in Mitteleuropa. Wer das versteht, hat den wichtigsten Schlüssel für eine artgerechte Fjordpferd-Ernährung in der Hand.

Pflege: Huf, Zahn und Fell im Kontext der Ernährung

Das Fjordpferd ist im Alltag pflegeleicht – das kurze, dichte Fell und die kompakte Mähne erfordern keinen übermäßigen Pflegeaufwand. Dennoch gibt es zwei Pflegebereiche, die direkt mit der Ernährung verknüpft sind.

Hufpflege: Der Hufschmied sollte alle sechs bis acht Wochen kommen. Beim Fjordpferd mit erhöhtem Hufrehe-Risiko ist eine regelmäßige Hufstellung-Kontrolle besonders wichtig: Fehlstellungen erhöhen die Belastung des Hufbeinträgeapparats und können bei gleichzeitig bestehender Insulindysregulation die Schwelle für eine Hufrehe-Episode senken. Barhufe sind bei nicht intensiv genutzten Fjordpferden möglich und in vielen Fällen sinnvoll.

Zahnpflege: Pferdezähne wachsen lebenslang nach und bilden ohne regelmäßige Kontrolle Haken und scharfe Kanten, die das Kauen beeinträchtigen. Unzureichend zerkautes Heu wird schlechter vorverdaut und kann Kolikrisiken erhöhen. Mindestens einmal jährlich – bei Senioren zweimal – sollte ein Pferdezahnspezialist oder Tierarzt die Zähne kontrollieren und gegebenenfalls abraspeln.

Klimatoleranz: Das Fjordpferd verträgt kalte Witterung ausgezeichnet und kann bei guter Haltung (Offenstall, trockener Unterstand) auch bei strengem Frost ohne Eindecken gehalten werden. An heißen, schwülen Tagen besteht dagegen Hitzestress-Gefahr – ausreichend Schatten und kühles Wasser sind dann essenziell. Gerade bei Sommerekzem-anfälligen Tieren spielt die Weidezeit (Morgen- oder Abendstunden bevorzugen) auch für die Futteraufnahme eine Rolle.

Gesundheit: vier ernährungsassoziierte Dispositionen im Überblick

Das Fjordpferd gilt generell als robust und langlebig. Dennoch weist die Rasse aufgrund ihres sparsamkeits-optimierten Stoffwechsels eine klare Häufung bestimmter ernährungsassoziierter Erkrankungen auf. Tierärztliche und ernährungsberaterische Begleitung ist bei folgenden Dispositionen besonders wichtig.

Equines Metabolisches Syndrom (EMS)

EMS beschreibt eine Insulindysregulation, die bei leichtfuttrigen Rassen wie dem Fjordpferd überproportional häufig auftritt. Charakteristisch sind Fettdepots (vor allem Mähnenkamm, Schulter, Schweifrübe), Übergewicht (BCS ≥ 7/9) und eine gestörte Insulinantwort auf kohlenhydratreiche Futtermittel. EMS gilt als zentraler Risikofaktor für die Entstehung einer insulindysregulationsbedingten Hufrehe. Ernährungsmanagement – Reduktion von Stärke und wasserlöslichen Kohlenhydraten, Gewichtsreduktion – steht im Mittelpunkt der Therapiebegleitung, die immer tierärztlich geführt werden sollte. [s4]

Hufrehe (Laminitis)

Hufrehe ist eine Entzündung des Hufbeinträgeapparats und beim Fjordpferd eine der häufigsten ernährungsbedingten Notfallsituationen. Risikofaktoren sind Übergewicht, stärke- und zuckerreiche Fütterung sowie unkontrollierter Weidegang auf nährstoffreichen Frühjahrs- und Herbstweiden. Bereits eine einmalige schwere Hufrehe kann dauerhafte Schäden hinterlassen. Prävention durch konsequentes Gewichts- und Weidemanagement hat daher oberste Priorität. [s5]

Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM)

PSSM ist eine Glykogenspeichermyopathie, bei der sich abnorme Glykogenmengen in der Skelettmuskulatur anhäufen. Bei Fjordpferden ist PSSM klinisch beschrieben. Betroffene Pferde zeigen Steifheit, Muskelschwäche, Schweißausbrüche und Bewegungsunlust – besonders nach Ruhephasen oder unregelmäßigem Training. Ernährungsseitig wird eine Reduzierung der Stärkezufuhr bei gleichzeitiger Erhöhung des Fettanteils im Futter diskutiert. Eine Diagnose und individuelle Ernährungsplanung sollten tierärztlich begleitet werden. [s3]

Equine Hypophysen-Pars-intermedia-Dysfunktion (PPID / Cushing)

PPID ist eine Erkrankung der Hypophyse, die bei älteren Pferden aller Rassen, aber auch bei Robustrassen wie dem Fjordpferd auftreten kann. Typische Anzeichen sind das lockige, übermäßig langes Winterfell (Hirsutismus), Muskelabbau trotz ausreichender Energieversorgung, Polyurie und erhöhte Hufrehe-Anfälligkeit. Die Diagnose erfolgt über eine Blutuntersuchung (basale ACTH-Bestimmung). Das Ernährungsmanagement bei PPID-Pferden erfordert besondere Aufmerksamkeit für die Energiebilanz und die Vermeidung stärkereicher Futtermittel. [s4]

Energiebedarf und Konditionsmanagement: weniger ist beim Fjordpferd oft mehr

Der Energiebedarf des Norwegischen Fjordpferdes ist die zentrale Steuerungsgröße der gesamten Ration. Aufgrund des evolutionär bedingten sparsamkeits-optimierten Stoffwechsels liegt der tatsächliche Erhaltungsbedarf häufig unter den Werten, die für Warmblutpferde ähnlichen Körpergewichts gelten.

Erhaltungsbedarf (adultes, wenig beanspruchtes Pferd)

Für ein adultes Fjordpferd ohne nennenswerte Arbeitsleistung werden als Orientierungswert ca. 26–33 kcal verdauliche Energie (DE) pro kg Körpergewicht und Tag angegeben. Dieser Wert ist jedoch individuell und sollte regelmäßig anhand des Body Condition Score (BCS) korrigiert werden. Ziel ist ein BCS von 4–5 auf der 9-Punkte-Skala – keinesfalls darunter (Unterernährung) und möglichst nicht darüber (metabolisches Risiko). [s4]

Energierestriktion bei Übergewicht

Übergewichtige Fjordpferde (BCS ≥ 7/9) benötigen eine kontrollierte Energiereduktion. Als Orientierungswert gilt eine Heutrockenmasse von etwa 1,25–1,5 % des Körpergewichts täglich, was einer Kalorienreduktion von etwa 20–30 % gegenüber dem Erhaltungsbedarf entspricht. Dabei darf die tägliche Raufuttermenge jedoch keinesfalls unter 1,0 % des Körpergewichts fallen – zu knappe Raufutterversorgung erhöht das Magengeschwürrisiko und stört die Darmgesundheit. Konkrete Diätpläne sind mit einer tierärztlichen oder ernährungsberaterischen Fachkraft abzustimmen. [s4]

Mehrarbeit und Leistungsphasen

Wird das Fjordpferd regelmäßig in Fahrsport, Geländereiten oder therapeutischer Arbeit eingesetzt, steigt der Energiebedarf entsprechend. Zunächst sollte versucht werden, den Mehrbedarf über qualitativ hochwertiges Heu (erste Schnitt-Qualität, guter Blattanteil) abzudecken, bevor Kraftfutter zugefüttert wird. Stärke- und zuckerreiche Kraftfuttermittel sind beim Fjordpferd selbst bei Arbeitsbelastung zurückhaltend einzusetzen.

Trächtige und laktierende Stuten

Ab dem achten Trächtigkeitsmonat steigt der Energie- und Mineralstoffbedarf deutlich an. Laktierende Stuten haben den höchsten Energiebedarf ihres Lebens. Auch in diesen Phasen sollte die Basis auf Raufutter und einem abgestimmten Mineralfutter ruhen; eine individuelle Beratung ist hier besonders empfehlenswert.

Fohlen und Jungpferde

Fjordpferde wachsen bis etwa zum vierten bis fünften Lebensjahr. In dieser Phase ist eine ausreichende, aber nicht übermäßige Energie- und Mineralstoffversorgung wichtig – zu schnelles Wachstum belastet Knochen und Gelenke. Spezielle Aufzuchtmüslis mit ausgeglichenem Calcium-Phosphor-Verhältnis können sinnvoll sein; die Rationsgestaltung sollte fachlich begleitet werden.

Senior-Fjordpferde (ab 18 Jahren)

Ältere Fjordpferde neigen bei PPID zu Muskelschwund trotz ausreichender Energiezufuhr. Der Energiebedarf kann im Seniorenalter ansteigen, während die Kauleistung sinkt. Weiches Heu, Heulage oder eingeweichte Heucobs können die Raufutterbasis ergänzen. [s4]

Futter für das Norwegische Fjordpferd: Raufutter als Basis, Kraftfutter als Ausnahme

Das Norwegische Fjordpferd ist ein klassischer Dauerfresser, dessen Verdauungstrakt auf kontinuierliche Raufutteraufnahme ausgelegt ist. Der kleine Magen (beim Kleinpferd etwa 5–8 Liter Fassungsvermögen) und der empfindliche Hinterdarm erfordern häufige, kleine Mahlzeiten ohne lange Unterbrechungen.

Heu: die unverzichtbare Basis

Heu bildet die Grundlage jeder Fjordpferd-Ration. Für die Rasse besonders geeignet ist spät geschnittenes Heu (zweiter oder dritter Schnitt, extensiv gewonnenes Wiesenheu) mit einem niedrigen Gehalt an nicht-strukturellen Kohlenhydraten (NSC). Als Richtwert gilt ein NSC-Gehalt von unter 10 % der Trockenmasse – dieser Wert ist in der Praxis nur durch eine Heuanalyse verlässlich zu ermitteln. Energiereiches Frühschnitt-Heu (erster Schnitt von Intensivwiesen) sollte beim Fjordpferd zurückhaltend eingesetzt werden. Die tägliche Raufuttermenge sollte mindestens 1,5 % des Körpergewichts als Trockenmasse betragen – bei einem 400-kg-Fjordpferd entspricht das etwa 6 kg Heu täglich. [s5]

Stroh als strukturreiche Ergänzung

Qualitativ hochwertiges Stroh (Gersten- oder Weizenstroh, staub- und schimmelfrei) kann bei übergewichtigen Fjordpferden einen Teil der Heurration ersetzen und trägt zur Verlängerung der Fresszeit bei. Der hohe Rohfasergehalt und die niedrige Energiedichte machen Stroh zu einem wertvollen Sättigungsfutter. Wichtig: Stroh allein deckt weder Mineralstoff- noch Vitaminbedarf – eine Ergänzung mit Mineralfutter ist zwingend.

Heulage

Heulage (siliertes Heu mit ca. 50–70 % Wassergehalt) kann eine sinnvolle Alternative für Pferde mit staubbedingten Atemwegsproblemen sein. Bei der Fjordpferd-Ration ist zu beachten, dass Heulage in der Regel energiereicher ist als Heu – die Tagesmenge ist entsprechend zu reduzieren. Schimmelfreie Qualität ist absolut Voraussetzung.

Weidegang: Segen und Risiko

Weidegang ist für das Fjordpferd grundsätzlich wertvoll und trägt zur Bewegung, sozialen Interaktion und psychischen Gesundheit bei. Auf nährstoffreichen Intensivweiden – besonders im Frühjahr (Frühjahrsgras, hoher Fruktan- und Zuckergehalt) und nach Regenphasen – besteht jedoch ein erhebliches Hufrehe-Risiko. Empfohlen werden: Weidemanagement mit Paddock-Nutzung, zeitlich begrenzter Weidegang (morgens, wenn der Fruktan-Gehalt im Gras noch niedrig ist), Weidekorb oder elektrischer Weidezaun zur Flächenbegrenzung. Auf schnell wachsendem Frühjahrsgras sollte der Weidegang vorsichtig und schrittweise eingeführt werden. [s5]

Kraftfutter: nur bei tatsächlichem Mehrbedarf

Bei einem Fjordpferd in leichter bis mittlerer Arbeit ist Kraftfutter in den meisten Fällen nicht notwendig. Wird ein Kraftfutterzusatz dennoch erforderlich (intensiver Fahrsport, Hochträchtigkeit, Laktation, nachgewiesener Mangel), empfiehlt sich ein stärke- und zuckerarmes Müsli oder Pellet mit hohem Rohfaseranteil. Hafer und Gerste in Reinform sind für das Fjordpferd aufgrund des hohen Stärkegehalts und der schnellen Glukosewirkung nur sehr begrenzt geeignet. Stärkehaltige Kraftfuttermittel dürfen auf keinen Fall die Hauptenergiequelle ersetzen. Werden Kraftfutter-Anteile eingesetzt, sollten diese auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilt werden – maximal 0,5 kg Stärke pro Mahlzeit gilt als allgemeine Richtlinie für Pferde. [s3]

Mash und Ergänzungsfutter

Eingeweichte Futtermittel (Luzerne-Pellets, Heucobs, Rübenschnitzel – zuckerfrei!) können als Trägerfutter für Mineralfutter oder zur Appetitanregung bei alten Pferden dienen. Zuckerarme Rübenschnitzel sind beim Fjordpferd dem zuckerhaltigen Müsli vorzuziehen. Luzerne enthält zwar wenig Stärke, aber einen relevanten Eiweißgehalt – bei Njurdeproblemen im Alter ist Rücksprache mit dem Tierarzt ratsam.

Nahrungsergänzung für das Norwegische Fjordpferd: Mineralfutter als Pflicht, gezielte Ergänzung bei Disposition

Raufutter allein deckt den Mineralstoffbedarf eines Pferdes in der Regel nicht vollständig – das gilt in besonderem Maße für Fjordpferde auf Stroh-Heu-Rationen ohne Kraftfutter. Ein hochwertiges Mineralfutter ist deshalb keine Option, sondern eine Grundvoraussetzung jeder artgerechten Ration.

Mineralfutter: Basisversorgung sicherstellen

Ein geeignetes Mineralfutter für das Fjordpferd sollte auf die Zusammensetzung des verwendeten Heus und das regionale Bodenprofil abgestimmt sein. Grundsätzlich relevant sind: Calcium, Phosphor (ausgewogenes Verhältnis, ca. 1,5–2:1), Magnesium, Natrium (Salzleckstein), Selen (in vielen deutschen Regionen im Boden defizitär), Zink, Kupfer und fettlösliche Vitamine (A, D, E). Eine Heuanalyse ist die sinnvollste Grundlage für die Auswahl des richtigen Mineralfutters. [s4]

Magnesium: besondere Relevanz bei EMS

Magnesium ist an der Insulinrezeptor-Signaltransduktion beteiligt. Eine bedarfsdeckende Magnesiumversorgung gilt als sinnvoll bei Pferden mit Insulindysregulation oder EMS-Verdacht, da Defizite die Insulinsensitivität beeinträchtigen können. Ob eine zusätzliche Magnesiumsupplementierung über den Bedarf hinaus sinnvoll ist, sollte im Einzelfall tierärztlich abgeklärt werden. [s4]

Selen und Vitamin E: relevant bei PSSM

Bei Pferden mit PSSM wird eine ausreichende Versorgung mit Selen und Vitamin E diskutiert, da beide Nährstoffe eine Rolle im Muskelstoffwechsel und als Antioxidantien spielen. In selenarmen Regionen Deutschlands ist eine Supplementierung häufig sinnvoll – die individuelle Versorgungslage sollte jedoch über eine Blutuntersuchung abgeklärt werden, da sowohl Selen-Mangel als auch -Überschuss problematisch sind. Eine pauschale Hochdosis-Supplementierung ist ohne Laborwerte nicht angebracht. [s3]

Fettergänzung bei PSSM

Bei diagnostizierter PSSM (Typ 1 oder Typ 2) wird eine Erhöhung des Fettanteils in der Ration als unterstützende ernährungstherapeutische Maßnahme diskutiert. Öle wie Leinöl oder Sonnenblumenöl können als alternativer Energieträger dienen, der die Glykogenspeicherung in der Muskulatur weniger stimuliert als Stärke. Ob und in welchem Umfang eine Fettergänzung sinnvoll ist, gehört in die Hände einer tierärztlichen oder ernährungsberaterischen Fachkraft. [s3]

Elektrolyte: bei intensiver Arbeit und Schwitzen

Fjordpferde, die regelmäßig im Fahrsport oder bei sommerlichen Temperaturen arbeiten, verlieren über den Schweiß relevante Mengen an Elektrolyten (vor allem Natrium, Kalium, Chlorid). Ein einfacher Salzleckstein (Natriumchlorid) deckt den Grundbedarf; bei intensiv arbeitenden Pferden kann eine gezielte Elektrolytergänzung nach der Belastung sinnvoll sein. Wichtig: Elektrolyte sollten immer zusammen mit ausreichend Wasser angeboten werden. [s9]

Was keine gesicherte Wirkung hat

Viele Ergänzungsmittel, die für das Gewichtsmanagement oder die Insulinsensitivität vermarktet werden (Kräutermischungen, Chromergänzungen u. a.), verfügen über eine unzureichende wissenschaftliche Evidenzbasis beim Pferd. Vorsicht ist geboten bei Produkten, die mit direkten Heilversprechen werben – im Zweifel immer tierärztlichen Rat einholen.

Fütterungsmanagement im Alltag: Heu-Qualität, Fressrhythmus und Weide beim Fjordpferd

Die beste Rationsplanung nützt wenig, wenn das tägliche Fütterungsmanagement nicht stimmt. Für das Fjordpferd mit seinem sensiblen Stoffwechsel sind die folgenden praktischen Aspekte besonders relevant.

Heuqualität prüfen

Eine Heuanalyse (Trockensubstanz, Roh-Energie, NSC, Mineralstoffprofil) ist für das Fjordpferd keine Luxus-, sondern eine Vorsorgemaßnahme. Nur wer weiß, was im Heu steckt, kann die Ration gezielt ergänzen und überkaloriöse Fütterung vermeiden. Heuanalysen sind über Futteruntersuchungsinstitute und einige Mineralfutterhersteller erhältlich. Bei akutem Hufrehe-Verdacht oder EMS-Diagnose kann Heu mit hohem NSC-Gehalt (> 10 % TS) durch mehrstündiges Einweichen (30–60 Minuten in kaltem Wasser) in seinem Zuckergehalt reduziert werden – verlässliche Werte erfordern aber eine Analyse des eingeweichten Heus.

Fressrhythmus und Fresspausen

Das Pferd als Dauerfresser benötigt eine kontinuierliche Raufutterverfügbarkeit. Fresspausen von mehr als vier Stunden erhöhen das Risiko für Magengeschwüre, da der Pferdemagen kontinuierlich Salzsäure produziert – unabhängig davon, ob Futter vorhanden ist. Beim Fjordpferd muss gleichzeitig verhindert werden, dass ad libitum-Heufütterung zur Überernährung führt. Heunetze mit 3-cm-Maschenweite sind ein bewährtes Hilfsmittel: Sie verlangsamen die Futteraufnahme um bis zu 40–60 %, ermöglichen längere Fresszeiten und reduzieren die täglich aufgenommene Heumenge ohne lange Pausen. Mehrere kleine Heuportionen über den Tag sind zwei großen Portionen vorzuziehen.

Wasserversorgung

Freier Zugang zu frischem, sauberem Wasser ist für Pferde jederzeit Pflicht. Ein 400 kg schweres Pferd trinkt täglich etwa 20–40 Liter – bei Arbeit, Hitze oder Laktation deutlich mehr. Wasserentzug oder schmutzige Tränken erhöhen das Kolikrisiko. Im Winter auf Frostsicherheit der Tränken achten.

Weide- und Anweidemanagement

Der Übergang von der Winter- auf die Frühjahrsweide ist beim Fjordpferd besonders kritisch und sollte schrittweise über zwei bis vier Wochen erfolgen. Empfehlenswert: anfangs nur 15–30 Minuten täglich auf der Weide, danach langsame Steigerung. Frühjahrsgras mit hohem Fruktan-Gehalt (besonders bei sonnigem Wetter nach kühlen Nächten) sollte gemieden werden. Eine permanente Weidehaltung auf üppigem Grasland ohne Flächenbegrenzung ist für das Fjordpferd in der Regel nicht geeignet. Alternativ kann ein Track-System (Paddock-Trail) eine sinnvolle Haltungsform sein, die Bewegung ermöglicht, den Grasverzehr aber begrenzt.

Abrupte Futterwechsel vermeiden

Jeder Futterwechsel – neues Heu, neue Kraftfuttercharge, Umstieg von Heu auf Heulage – sollte über mindestens sieben bis zehn Tage schrittweise erfolgen. Abrupte Wechsel können die Darmflora destabilisieren und das Kolikrisiko erhöhen.

Quellen

  1. [1]FEDIAF Nutritional Guidelines 2025guideline
  2. [2]NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Catsguideline
  3. [3]Studie: Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM)study
  4. [4]Studie: Equines Metabolisches Syndromstudy
  5. [5]Studie: Hufrehe - Pferdstudy
  6. [6]Wikipedia: Norwegisches Fjordpferdwikipedia
  7. [7]Norweger Pferde im Rasseportrait | ehorses Magazinweb
  8. [8]Ponys richtig füttern | Dr. Susanne Weyrauchweb
  9. [9]Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Gesundheit meines ...web
  10. [10]Artikel übersicht - über Mühldorfer Pferdefutterweb
  11. [11]Gutes Futter – gesunde Pferde - Merlbacher Hofweb
  12. [12]Wissen über Pferdegesundheit – natürlich und ganzheitlichweb

Hinweis

Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Nahrungsergänzung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.

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Tierärztliches Review im Aufbau (Klinik-Partner). Medizinische Aussagen sind quellenbelegt. Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2026.

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