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Rasse-Ratgeber · Pferd

Pferdefutter Lusitano: Energieversorgung

Pferdefutter für den Lusitano als iberisches Sportpferd. Effiziente Rationsgestaltung für eleganten Barockrider.

Stockmaß
155–165 cm
Gewicht
450–550 kg
Lebenserwartung
25–30 Jahre
Herkunft
Portugal
Illustration: Pferdefutter Lusitano: Energieversorgung

Lusitano: Barockpferd mit iberisch-effizientem Stoffwechsel

Der Lusitano ist eine der ältesten Pferderassen der Welt und entstammt der Iberischen Halbinsel – einer Region, die historisch für trockene, karge Weiden bekannt ist. Diese Herkunft hat den Lusitano zu einem außergewöhnlich effizienten Futterverwerter gemacht: Sein Organismus holt aus vergleichsweise einfachem Grundfutter viel Energie heraus.

Für die Praxis bedeutet das: Der Lusitano tendiert bei energiereicher Ernährung leicht zur Verfettung, auch wenn er regelmäßig im Sport eingesetzt wird. Die Rationsgestaltung muss diesen Umstand konsequent berücksichtigen – Raufutter ist die unbedingte Grundlage, Kraftfutter wird nur bedarfsgerecht und leistungsangepasst eingesetzt.

Zusätzlich bringen rassetypische Gesundheitsdispositionen konkrete Anforderungen an die Fütterung mit sich: Die hohe Schimmelquote unter Lusitanos erhöht das Melanom-Risiko und erfordert besondere Aufmerksamkeit auf Haut- und Immunstatus. Die Disposition zu Osteochondrose (OCD) macht eine kontrollierte, nicht überschießende Energieversorgung besonders in der Aufzucht essenziell. Wer den Lusitano artgerecht ernährt, schafft die Grundlage für lange Gesundheit, Leistungsfähigkeit und die charakteristische Leichtigkeit dieser Rasse.

Größe, Statur und Gewicht: Was der Körperbau des Lusitano für den Futterbedarf bedeutet

So groß wird ein LusitanoSchulterhöhe im Vergleich zu einem 175 cm großen Menschen · Daten: FCI-RassestandardMensch175 cmLusitanoSchulterhöhe 155–165 cmca. 160 cmfutter.de · Illustration + FCI-Maßdaten

Der Lusitano ist ein mittelschweres Barockpferd mit einer Widerristhöhe von 155 bis 165 cm und einem Körpergewicht von typischerweise 450 bis 550 kg. Er gehört zu den Warmblütern iberischen Typs – kompakter gebaut als moderne Sportpferde, mit stark ausgeprägter Hinterhand, kurzem Rücken und einem breiten, muskulösen Hals.

Diese Konformation ist nicht nur ästhetisch, sondern hat direkte Auswirkungen auf den Energiebedarf: Der kompakte Körperbau kombiniert mit dem effizienten iberischen Stoffwechsel ergibt einen im Vergleich zu großrahmigen Warmblütern oder Vollblütern moderat-bis-niedrigen Energieerhaltungsbedarf. Ein Lusitano im mittleren Leistungsbereich (Dressur, klassische Arbeit, Freizeitreiten) benötigt erheblich weniger Kraftfutter als etwa ein KWPN-Sportpferd ähnlichen Gewichts.

Der Body Condition Score (BCS) nach Henneke sollte beim adulten Lusitano idealerweise bei 4,5 bis 5,5 auf der 9-Punkte-Skala liegen – weder ausgemergelt noch verfettet. Gerade bei Lusitanos, die viel Raufutter zur freien Verfügung haben und wenig Leistungsarbeit leisten, kann der BCS schnell in Richtung 6–7 steigen. Regelmäßige Konditionsbeurteilung (mindestens monatlich) ist daher wichtig.

Das Skelettsystem des Lusitano reift langsamer als bei vielen europäischen Warmblütern – volle Knochenreife ist erst mit etwa 5 bis 6 Jahren erreicht. Das ist ein entscheidender Punkt für die Jungpferdernährung und die OCD-Prophylaxe.

Wesen und Charakter: Kooperationsbereitschaft als Fütterungskontext

Der Lusitano gilt als eine der sensibelsten und gleichzeitig kooperationswilligsten Pferderassen überhaupt. Seine besondere Menschenbezogenheit, hohe Lernmotivation und Bereitschaft zur Zusammenarbeit machen ihn zu einem herausragenden Partner in der klassischen Dressur, der Hohen Schule und im iberischen Stierkampf – aber auch als vielseitigen Freizeit- und Sportpartner.

Charakterstärken des Lusitano sind seine Nervenstärke, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, feinste Hilfen zu interpretieren. Gleichzeitig reagiert diese Rasse sensibel auf Stress, schlechte Haltungsbedingungen oder inkonsistente Behandlung. Dieses Empfindlichkeitsprofil erstreckt sich auch auf die Ernährung: Lusitanos zeigen bei zu energiereicher, stärkelastiger Fütterung häufiger Verhaltensauffälligkeiten wie Überreaktionen, Unruhe oder Verbocktheit – ein Zusammenhang, der in der Praxis gut bekannt ist.

Die Verwendung als Allroundpferd – von der Dressur über Springen und Vielseitigkeit bis hin zur Kutsche und Zirkuslektionen – bedingt, dass der Energiebedarf je nach Einsatzgebiet sehr unterschiedlich ausfallen kann. Ein Lusitano, der täglich intensiv in der Piaffe oder beim berittenen Stierkampf arbeitet, hat einen völlig anderen Bedarf als ein Freizeitpferd, das dreimal wöchentlich leichte Arbeit leistet. Die Ration muss deshalb individuell und leistungsangepasst gestaltet werden.

Herkunft und Geschichte: Karge Iberische Weiden prägen den Stoffwechsel bis heute

Der Name „Lusitano“ leitet sich von Lusitania ab, der römischen Provinz, die in etwa dem heutigen Portugal entspricht. Archäologische Belege für Pferdehaltung auf der Iberischen Halbinsel reichen mehr als 25.000 Jahre zurück; die gezielte Zucht iberischer Pferde ist seit mindestens dem 8. Jahrhundert v. Chr. dokumentiert.

Der Lusitano ist eng mit dem Andalusier (Pura Raza Española, PRE) verwandt. Beide Rassen teilten über Jahrhunderte dasselbe Zuchtgebiet und denselben genetischen Ursprung. Die entscheidende Trennung vollzog sich im frühen 18. Jahrhundert: Als König Philipp V. von Spanien den berittenen Stierkampf verbot, veränderte sich die spanische Pferdezucht in Richtung repräsentativer Gangart. Portugal hingegen hielt am berittenen Stierkampf (Tourada), an der Rinderarbeit und der klassischen Reitkunst fest. Seit 1967 führt Portugal ein eigenes Zuchtbuch unter dem Namen „Puro Sangue Lusitano“.

Diese jahrhundertelange Selektion auf Arbeit in karger Landschaft, Ausdauer und Nervenstärke unter südeuropäischen klimatischen Bedingungen hat eine Rasse hervorgebracht, die mit relativ wenig Futter auskommt und Energie außerordentlich effizient verwertet. Wer die heutige Fütterungsempfehlung für den Lusitano verstehen will, muss diese historische Grundlage kennen: Das Pferd ist nicht auf Überschussernährung ausgelegt, sondern auf gezielte, bedarfsorientierte Versorgung.

Pflege und Haltung: Was die Haltungsform mit der Futterversorgung verbindet

Der Lusitano ist ein aktives, soziales Pferd mit ausgeprägtem Bewegungsbedarf. Dauerhaftes Einboxen ohne ausreichende Auslaufzeiten verträgt diese Rasse schlecht – sowohl auf psychischer als auch auf physiologischer Ebene. Aus Ernährungsperspektive ist die Haltungsform direkt relevant:

Offenstall- und Paddockbord-Haltung fördern die kontinuierliche Raufutteraufnahme, die für das Pferd als Dauerfresser physiologisch notwendig ist. Lange Fresspausen – mehr als 3 bis 4 Stunden ohne Raufutterzugang – erhöhen das Risiko für Magengeschwüre und Koliken. Bei Boxenhaltung sollte Heu deshalb entweder ad libitum oder in mehreren Rationen über den Tag verteilt angeboten werden.

Die Fellpflege hat bei Schimmel-Lusitanos, die in der Rasse stark vertreten sind, eine besondere Bedeutung: Die UV-empfindlichere Haut dieser Farbgruppe erfordert Sonnenschutz an unpigmentierten Stellen und regelmäßige Kontrolle auf Hautveränderungen (Melanome). Dieser Aspekt ist zwar kein direkter Fütterungsparameter, hängt aber über den Immunstatus und die antioxidative Versorgung indirekt mit der Ernährung zusammen.

Hufpflege und Hufschmied-Intervalle (alle 6 bis 8 Wochen) sind essenziell, um die Belastung der Gelenke gleichmäßig zu halten – bei einer Rasse mit OCD-Disposition ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Regelmäßige Zahnkontrolle (jährlich, bei Jungpferden halbjährlich) stellt sicher, dass Raufutter ordentlich zerkaut wird und die Verdauungseffizienz erhalten bleibt.

Gesundheit und rassetypische Dispositionen: Was Lusitano-Halter kennen müssen

Der Lusitano gilt als langlebige, robuste Rasse – Lebenserwartungen von 25 bis 30 Jahren bei guter Haltung und Pflege sind keine Seltenheit. Dennoch bestehen drei rassetypische Gesundheitsdispositionen, die bei der Fütterung und Haltung aktiv berücksichtigt werden sollten.

Melanome bei Schimmeln

Der Lusitano weist einen überproportional hohen Anteil an Schimmeln auf. Schimmel-Pferde tragen eine genetische Disposition zu Melanomen (Hauttumoren), die mit dem Alter deutlich zunimmt. Laut Studiendaten entwickeln etwa 75 % der Schimmel im Laufe ihres Lebens Melanome, überwiegend im Bereich von Schweifansatz, Schlauch und Analregion. Die meisten dieser Melanome verlaufen zunächst gutartig, können aber im Verlauf maligne entarten. Ein direkter Zusammenhang zwischen Fütterung und Melanomentstehung ist wissenschaftlich nicht belegt; dennoch diskutiert die Veterinärernährung den möglichen unterstützenden Einfluss einer antioxidativen Versorgung (Vitamin E, Selen) im Rahmen der allgemeinen Immununterstützung – dies ist jedoch im Einzelfall mit dem Tierarzt abzuklären.

Osteochondrose (OCD)

Osteochondrose bezeichnet eine Störung der Knorpelentwicklung, die insbesondere in der Aufzucht relevant ist. Beim Lusitano ist diese Disposition dokumentiert. Ernährungsseitig ist bekannt, dass Überernährung in den ersten Lebensjahren – insbesondere überschießende Energiezufuhr durch Kraftfutter und stärkereiches Getreide – das OCD-Risiko erhöht. Ein ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis (Richtwert 2:1 nach NRC-Empfehlungen für Pferde) sowie eine kontrollierte Wachstumsrate sind wesentliche präventive Maßnahmen. Da das Skelett des Lusitano erst mit 5 bis 6 Jahren vollständig ausgereift ist, erstreckt sich dieser Aspekt der Ernährungsplanung über einen langen Zeitraum.

Equine Rezidivierende Uveitis (ERU)

Die Equine Rezidivierende Uveitis – eine wiederkehrende Entzündung des Auges – ist beim Lusitano dokumentiert. Sie gilt als eine der häufigsten Ursachen für Erblindung bei Pferden und wird durch verschiedene Faktoren ausgelöst, darunter Leptospirose-Infektionen. Ein direkter Fütterungszusammenhang besteht nicht, jedoch sind allgemeine Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe (Hygiene, Schadnager-Kontrolle im Stall) im Zusammenhang mit dieser Erkrankung relevant. Betroffene Pferde sollten tierärztlich begleitet werden.

PPID (Cushing-Syndrom) im Senioralter

Ab dem 15. bis 18. Lebensjahr besteht für Lusitanos ein erhöhtes Risiko für die Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID, Equines Cushing-Syndrom). Diese Erkrankung geht mit Insulinresistenz, Muskelabbau und erhöhtem Hufrehepotenzial einher. Die Fütterungskonsequenz ist eindeutig: Stärke- und zuckerreiche Rationen sind für ältere Lusitanos besonders kritisch zu hinterfragen; Heu mit niedrigem wasserlöslichem Kohlenhydratgehalt (WSC) kann im Bedarfsfall – nach tierärztlicher Diagnose – sinnvoll sein.

Energiebedarf und Kondition: Wie viel Futter braucht ein Lusitano wirklich?

Der Energiebedarf des Lusitano wird maßgeblich von drei Faktoren bestimmt: Körpergewicht, Aktivitätsniveau und Lebensphase. Als effizienter Futterverwerter mit iberischem Grundstoffwechsel liegt sein tatsächlicher Bedarf oft unterhalb dessen, was Halter anderer Warmblüter gewohnt sind.

Erhaltungsbedarf und leistungsabhängige Anpassung

Ein adulter Lusitano mit einem Körpergewicht von 450 bis 550 kg hat folgenden orientierenden Energiebedarf (als Digestible Energy, DE):

  • Erhaltung (Ruhe/Weide): ca. 55–65 MJ DE pro Tag
  • Leichte Arbeit (Freizeitreiten, wenig intensiv, ca. 1 Stunde täglich): ca. 65–75 MJ DE pro Tag
  • Mittelschwere Arbeit (Dressur, Turniervorbereitung, ca. 2 Stunden täglich): ca. 90–100 MJ DE pro Tag
  • Intensiver Sport (Turnierarbeit, Stierkampfvorbereitung): bis ca. 120 MJ DE pro Tag

Diese Werte sind Orientierungsgrößen; der tatsächliche Bedarf ist individuell und sollte anhand des regelmäßig kontrollierten Body Condition Score (BCS) und des Körpergewichts justiert werden.

Konditionsmanagement: BCS als Werkzeug

Der BCS nach Henneke (Skala 1–9) ist das praktischste Werkzeug zur Rationsbeurteilung. Für den adulten Lusitano ist ein BCS von 4,5 bis 5,5 anzustreben. Ein Wert über 6 signalisiert Überversorgung und sollte Anlass geben, die Ration – insbesondere den Kraftfutteranteil – zu reduzieren. Bei Übergewicht besteht erhöhtes Risiko für metabolische Störungen und, bei PPID-gefährdeten Senioren, für Hufrehe-Episoden.

Fohlen und Jungpferde (0–3 Jahre)

In den ersten Lebensmonaten deckt die Muttermilch den Hauptbedarf des Fohlens. Ab etwa dem 2. Lebensmonat kann ergänzende Krippenfütterung mit eiweißreichem, mineralstoffreichem Fohlenfutter beginnen. Wegen der OCD-Disposition gilt beim Lusitano-Fohlen besonders streng: Keine Überernährung. Wachstumsschübe durch überschießende Energiezufuhr erhöhen das OCD-Risiko nachweislich. Das Calcium-Phosphor-Verhältnis sollte bei 2:1 gehalten werden. Absetzen erfolgt typischerweise zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat.

Jungpferde wachsen langsamer als viele europäische Warmblüter; das Skelett ist erst mit 5 bis 6 Jahren vollständig belastungsfähig. Die Energiezufuhr in dieser Phase sollte knapp über dem Erhaltungsbedarf liegen – keine Turbomast.

Senioren (ab ca. 18 Jahren)

Ältere Lusitanos haben häufig einen erhöhten Proteinbedarf bei gleichzeitig abnehmender Kaueffizienz. Heu von guter Qualität, aber mittlerer Strukturlänge, gut kauzeitoptimiertes Raufutter (ggf. eingeweichtes Heu oder Heucobs) und ein auf Seniorbedürfnisse abgestimmtes Mineralfutter können sinnvoll sein. Bei Verdacht auf PPID ist eine tierärztliche Untersuchung (ACTH-Messung) und ggf. eine Anpassung der Ration auf stärke- und zuckerarme Grundfutter angezeigt.

Raufutter, Kraftfutter und Mineralfutter: Welche Futterarten für den Lusitano geeignet sind

Die Futterauswahl für den Lusitano folgt dem für alle Pferde geltenden Grundprinzip – Raufutter zuerst – aber mit rasse-eigener Gewichtung: Der iberische Stoffwechsel verlangt nach Zurückhaltung bei energiedichten Futterarten und konsequenter Bedarfsorientierung.

Raufutter: Die unverzichtbare Grundlage

Heu bildet die absolute Basis der Lusitano-Ration. Der Richtwert von mindestens 1,5 % des Körpergewichts an Trockenmasse pro Tag (also ca. 7–8 kg Heu für ein 500-kg-Pferd) sollte nicht unterschritten werden. Für Lusitanos mit niedrigem Aktivitätsniveau kann Heu ad libitum die gesamte Ration decken – Kraftfutter ist dann nicht zwingend erforderlich.

Heuqualität ist entscheidend: Für einen gut versorgten, wenig arbeitenden Lusitano eignet sich strukturreiches Wiesenheu mittlerer Energiedichte besser als nährstoffintensives Luzerneheu. Luzerneheu oder energiereiches Grasland-Erstschnitt-Heu birgt bei Freizeitpferden das Risiko der Überversorgung. Staubarmes oder bedampftes Heu ist bei empfindlichen Atemwegen oder atemwegsbelasteten Haltungsbedingungen sinnvoll.

Stroh (insbesondere Gersten- oder Weizenstroh) kann als Beschäftigungsraufutter und Strukturgeber ergänzt werden – es sättigt, hat wenig Energie und fördert die natürliche Kautätigkeit. Der Strohanteil sollte jedoch nicht mehr als ein Drittel des gesamten Raufutters ausmachen, da Stroh allein keine bedarfsdeckende Nährstoffversorgung sichert.

Weidegras ist für viele Lusitanos im Frühjahr und Sommer eine kritische Variable: Frisches, schnell wachsendes Gras ist energiereich und enthält hohe Mengen wasserlöslicher Kohlenhydrate (Fruktane). Lusitanos mit Übergewicht, erhöhtem BCS oder PPID-Verdacht sollten den Weidegang kontrolliert und schrittweise eingeführt bekommen – insbesondere im Frühjahr.

Kraftfutter: Nur bei echtem Mehrbedarf

Kraftfutter (Müsli, Pellets, Hafer, Gerste) wird beim Lusitano erst dann sinnvoll, wenn Raufutter allein den Energiebedarf bei mittlerer bis hoher Arbeitsbelastung nicht mehr deckt. Für Freizeitpferde und leicht arbeitende Tiere ist Kraftfutter in der Regel nicht notwendig.

Wenn Kraftfutter eingesetzt wird, gilt:

  • Stärkereiche Getreidefraktionen (Mais, Gerste) sind zurückhaltend einzusetzen; Hafer ist im Vergleich leichter verdaulich und hat eine günstigere Stärkestruktur
  • Müsli und Pellets sollten auf niedrigen Zucker- und Stärkegehalt geprüft werden (WSC + Stärke möglichst unter 10–12 % in der Trockenmasse)
  • Kraftfutter immer in mehreren kleinen Mahlzeiten (nie mehr als 1–1,5 kg pro Mahlzeit) verfüttern, um die Magenbelastung zu minimieren
  • Abrupte Futterwechsel sind zu vermeiden; jede Umstellung erfolgt schrittweise über mindestens 7–10 Tage

Mineralfutter: Kein optionales Extra

Raufutter allein deckt den Mineralstoffbedarf des Pferdes in der Regel nicht vollständig – das gilt auch für den Lusitano. Ein ausgewogenes Mineralfutter (angepasst an die Heurationsanalyse) ist fester Bestandteil der Basisversorgung. Lecksteine sind kein vollwertiger Ersatz für bedarfsgerechtes Mineralfutter, können aber ergänzend zur Natriumversorgung beitragen.

Nahrungsergänzung für den Lusitano: Gezielt und evidenzbasiert

Bei einem gut mit Heu und Mineralfutter versorgten Lusitano ist die Notwendigkeit zusätzlicher Nahrungsergänzungsmittel begrenzt. Dennoch gibt es Situationen und rassetypische Besonderheiten, bei denen gezielte Ergänzungen diskutiert werden.

Mineralstoffe und Spurenelemente

Die häufigsten Unterversorgungen bei Pferden betreffen Selen, Kupfer, Zink und Jod – je nach Heuherkunft und -qualität. Da Heu allein den Bedarf selten vollständig deckt, ist ein qualitativ hochwertiges, heuanalyse-basiertes Mineralfutter die wichtigste Ergänzung. Eine Heuanalyse (Mineral- und Nährstoffanalyse) ist Grundlage jeder seriösen Rationsplanung und wird von Pferdeernährungsberatern empfohlen.

Vitamin E und Selen bei Sportpferden

Bei intensiv arbeitenden Lusitanos (Turnierreiten, klassische Hohe Schule, Stierkampfvorbereitung) kann der Bedarf an Vitamin E (antioxidativer Schutz bei erhöhtem oxidativem Stress durch Sport) über das Niveau eines Ruhepferdes ansteigen. Die konkrete Bedarfsermittlung und ggf. Ergänzung sollten mit einem Tierarzt oder einer spezialisierten Pferdeernährungsberatung abgestimmt werden.

Antioxidantien bei Schimmeln

Angesichts der hohen Melanom-Prävalenz bei Schimmel-Lusitanos wird in der Fachliteratur und Praxis eine ausreichende antioxidative Versorgung (insbesondere Vitamin E und Selen) diskutiert. Ein kausaler Nachweis, dass Supplementierung das Melanomrisiko senkt, liegt nicht vor; die allgemeine Immununterstützung gilt jedoch als sinnvoll. Die Dosierung ist individuell und bedarf tierärztlicher Begleitung.

Gelenk-Ergänzung in der Aufzucht und im Sport

Wegen der OCD-Disposition können Ergänzungen zur Gelenkknorpelgesundheit (z. B. Substanzen wie Glucosamin, Chondroitin oder Omega-3-Fettsäuren aus Leinöl) in der Aufzucht und bei intensiv arbeitenden Tieren im Gespräch mit dem Tierarzt erwogen werden. Die Evidenzlage für solche Präparate ist beim Pferd insgesamt als begrenzt einzuschätzen; sie können unterstützend sein, ersetzen aber keine adäquate Grundernährung und kein tierärztlich begleitetes Gesundheitsmanagement.

Elektrolyte bei Schweißverlust

Der Lusitano stammt aus einem warmen Klima und wird häufig in intensiver körperlicher Arbeit eingesetzt. Bei anhaltender Schweißbildung – insbesondere im Sommer oder bei Turnieren – gehen relevante Mengen an Natrium, Chlorid, Kalium und Magnesium verloren. Eine bedarfsgerechte Elektrolytergänzung (z. B. über elektrolythaltiges Ergänzungsfutter oder Lösungen im Tränkwasser) kann nach intensiver Arbeit sinnvoll sein. Hier gilt: Nur bei tatsächlichem Schweißverlust einsetzen, nicht prophylaktisch als Dauerergänzung.

Fütterungsmanagement: Heu-Qualität, Rhythmus, Wasser und Weide im Alltag

Die beste Rationsgestaltung nützt wenig, wenn das praktische Fütterungsmanagement nicht stimmt. Für den Lusitano als Dauerfresser sind folgende Aspekte besonders relevant:

Heu-Qualität und -Menge

Ein strukturreiches Wiesenheu ohne Schimmel, Staub oder Gärgeruch ist die beste Wahl für den Alltags-Lusitano. Vor der Auswahl empfiehlt sich eine Heuanalyse (Zucker-, Stärke-, Proteingehalt, Mineralstoffprofil), um die Ration sicher und bedarfsdeckend zu gestalten. Energiereiches Luzerneheu ist bei wenig arbeitenden Tieren kritisch zu dosieren.

Fütterungsrhythmus und Fresspausen vermeiden

Der Magen des Pferdes produziert kontinuierlich Magensäure – unabhängig davon, ob Futter vorhanden ist. Fresspausen von mehr als 3 bis 4 Stunden erhöhen das Magengeschwür-Risiko erheblich. Für Lusitanos in Boxenhaltung bedeutet das: Heu in mindestens 3 bis 4 Portionen täglich oder idealerweise über Heunetze mit kleiner Maschenweite als Dauerangebot. Kraftfutter stets nach Raufutter anbieten, niemals nüchtern.

Wasserversorgung

Ein Lusitano von 500 kg benötigt je nach Temperatur und Arbeitsbelastung 30 bis 60 Liter Wasser täglich. Bei Hitze oder intensiver Arbeit kann der Bedarf höher liegen. Frisches, sauberes Wasser muss jederzeit frei zugänglich sein – weder vor noch nach dem Reiten sollte der Wasserzugang eingeschränkt werden.

Weide- und Anweidemanagement

Der Frühjahrseinstieg auf die Weide sollte schrittweise über 2 bis 3 Wochen erfolgen: beginnend mit 15 bis 30 Minuten täglich, dann wöchentlich steigern. Schnell wachsendes Frühjahrsgras enthält hohe Mengen Fruktane und kann bei veranlagten Tieren Hufrehe auslösen. Für Lusitanos mit erhöhtem BCS, PPID-Verdacht oder Insulinresistenz ist ein besonders kontrolliertes Anweideverfahren und ggf. ein stundenmäßig begrenzter Weidegang ratsam – im Zweifelsfall tierärztlich abklären.

Allgemeine Hinweise zum Futterwechsel

Jede Änderung der Futterration – neues Heu, neues Kraftfutter, Umstellung der Mineralfuttersorte – sollte über mindestens 7 bis 10 Tage schrittweise eingeführt werden. Abrupte Wechsel können die Darmflora destabilisieren und das Kolikrisiko erhöhen.

Quellen

  1. [1]FEDIAF Nutritional Guidelines 2025guideline
  2. [2]NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Catsguideline
  3. [3]Studie: Melanoma (Grey Horse)study
  4. [4]Studie: Osteochondrose (Osteochondritis Dissecans)study
  5. [5]Studie: Rezidivierende Augenentzündung des Pferdesstudy
  6. [6]Wikipedia: Lusitanowikipedia
  7. [7]Die Ernährung des Hundes: Wichtiges im Überblick | Dr. Samweb
  8. [8]Vermittlung von Tierschutzhunden aus Spanien - Ernährungweb
  9. [9]Mischlingshunde und Rassetypische Krankheiten - doggies.chweb
  10. [10]Qualzucht & Rassekrankheiten - Die Top 7 Beispiele - Vetevoweb
  11. [11]Hunde Ernährung - Südtiroler Jagdportalweb

Hinweis

Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Nahrungsergänzung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.

Häufige Fragen

Fragen zur Ernährung & Haltung

Autor

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Fachliche Prüfung

Tierärztliches Review im Aufbau (Klinik-Partner). Medizinische Aussagen sind quellenbelegt. Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2026.

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