Pferdefutter Bergmann: Gebirgs-Stoffwechsel
Pferdefutter für den Bergmann: Robuste Gebirgsrasse mit extremer Stoffwechseleffizienz braucht strukturreiches Raufutter, minimales Kraftfutter. Rationsmanagement gegen EMS essential.
- Stockmaß
- 73 cm
- Gewicht
- 450–600 kg
- Lebenserwartung
- bis 30 Jahre
- Herkunft
- Mitteleuropa (deutschsprachiger Gebirgsraum)

Bergmann-Futter auf einen Blick: Effizienz vor Energie
Der Bergmann ist ein kompaktes Gebirgspferd mit einem Stoffwechsel, der auf Energieeffizienz programmiert ist. Über Jahrhunderte im rauen Mittelgebirgsklima auf kargem Grünland und hartem Winterheu gehalten, hat die Rasse gelernt, aus wenig viel zu machen. Genau diese Eigenschaft wird für heutige Halter zur zentralen Fütterungsherausforderung: Ein Bergmann, der Zugang zu qualitativ hochwertigem Heu und saftigem Weidegras in unbegrenzter Menge hat, neigt rasch zu Übergewicht – mit allen Konsequenzen für Hufe, Gelenke und Stoffwechsel.
Die Grundregel für den Bergmann lautet daher: Raufutter als unverzichtbare Basis, Kraftfutter nur bei nachgewiesenem Mehrbedarf durch Arbeit oder besondere Lebensphasen, Mineralfutter zur gezielten Ergänzung. Lange Fresspausen sind unbedingt zu vermeiden – der Pferdedarm ist auf kontinuierliche Futterpassage ausgelegt, und ein leerer Magen begünstigt Magengeschwüre und Kolik-Risiken. Gleichzeitig darf die Gesamtration nicht unkontrolliert üppig sein.
Kernpunkte im Überblick:
- Raufutter (Heu/Heulage/Weide) bildet die Basis – mindestens 1,5 % des Körpergewichts als Trockenmasse täglich
- Kraftfutter bei leichter bis mäßiger Arbeit häufig verzichtbar
- Stärke- und zuckerreiche Rationen konsequent begrenzen (EMS-Risiko)
- Mineralfutter bedarfsgerecht ergänzen
- Wasserversorgung ganztägig sicherstellen
- Keine abrupten Futterwechsel
Größe, Statur und Energiebedarf des Bergmanns
Der Bergmann steht mit einer Widerristhöhe von 73 cm im Bereich der größeren Ponyrassen bzw. an der unteren Grenze der Kleinpferde. Diese Einstufung ist für die Futterberechnung unmittelbar relevant: Ponys und ponynamige Kleinpferde haben im Verhältnis zur Körpermasse einen deutlich höheren Erhaltungsbedarf pro Kilogramm Körpergewicht als große Warmblüter – gleichzeitig verfügen sie über einen ausgesprochen effizienten Grundstoffwechsel, der die Überernährungsgefahr erhöht.
Das typische Körpergewicht eines erwachsenen Bergmanns bewegt sich je nach Kondition und Geschlecht zwischen etwa 450 und 600 Kilogramm. Daraus ergibt sich ein täglicher Raufutter-Mindestbedarf von ca. 7–12 Kilogramm Heu (gerechnet als Trockenmasse, auf Basis des 1,5-%-Richtwerts). Bei der Bereitstellung von Raufutter ad libitum – also ohne Mengenbeschränkung – kann der tatsächliche Verzehr beim Bergmann erheblich darüber liegen, was bei einem bereits gut konditionierten Tier problematisch werden kann.
Die kompakte, muskulöse Statur mit breitem Rücken, kräftigen Extremitäten und harten Hufen spricht für eine Rasse, die für Trageleistung und Ausdauer, nicht für Schnelligkeit optimiert wurde. Die Hufe des Bergmanns gelten als besonders widerstandsfähig – was aber nicht bedeutet, dass Übergewicht keine Hufrehe begünstigen kann. Im Gegenteil: Gerade bei leichtfuttrigen Robustrassen dieser Größenklasse ist Hufrehe als Folge von Übergewicht und Stärke-/Zuckerüberschüssen ein ernstzunehmendes Risiko.
Wesen des Bergmanns – und was das für sein Futter bedeutet
Der Bergmann gilt als besonnenes, kooperatives Arbeitspferd mit hoher Stresstoleranz und einem echten Arbeitswillen. Er reagiert auf ungewohnte Situationen deutlich gelassener als viele Warmblüter, zeigt weniger Fluchtimpulse und passt sich neuen Reizen vergleichsweise rasch an. Diese Ruhe und Ausgeglichenheit sind keine Passivität – der Bergmann ist durchaus leistungsbereit, solange er artgerecht gehalten und ausgelastet wird.
Für die Ernährung ist das Wesen des Bergmanns aus einem besonderen Grund relevant: Sein ruhiges, wenig impulsives Verhalten führt dazu, dass Halter seinen Bedarf oft unterschätzen. Ein Bergmann zeigt Unwohlsein durch Futterprobleme, Übergewicht oder Bewegungsmangel häufig nicht durch offensichtliche Unruhe, sondern eher durch subtile Verhaltensänderungen wie nachlassende Arbeitslust oder veränderte Körpersprache beim Putzvorgang. Regelmäßige Körperkonditionsbeurteilung (Body-Condition-Score, BCS) ist daher besonders wichtig – das Auge des Halters ersetzt keine systematische Beurteilung.
Der ausgeprägte Arbeitswille des Bergmanns bedeutet außerdem, dass er bei entsprechender Belastung durchaus einen erhöhten Energiebedarf entwickeln kann – der dann durch eine angepasste Fütterung gedeckt werden sollte, ohne dabei in eine generelle Überfütterung zu verfallen. Die Balance zwischen Erhaltungsbedarf und Leistungsbedarf ist beim Bergmann besonders sorgfältig zu kalibrieren.
Herkunft des Bergmanns – warum sein Stoffwechsel so effizient ist
Die Wurzeln des Bergmanns liegen in den Gebirgs- und Mittelgebirgsregionen des deutschsprachigen Raums. Frühe schriftliche Beschreibungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert nennen „kleine, zähe Packpferde" im Bergbau- und Fuhrwesen der Erzgebirge und des Harzes – Tiere, die auf schmalen Gebirgspfaden schwere Lasten trugen, im harten Winter mit kargem Heu und Stroh auskommen mussten und dabei arbeitswillig blieben. Der Name verweist unmittelbar auf diesen Verwendungszweck: Das Pferd des Bergmanns, des Arbeiters im Gebirge und unter Tage.
Im Untertagebetrieb des 18. und frühen 19. Jahrhunderts wurden Bergmannspferde in Kohlegruben und Erzbergwerken zum Ziehen von Förderwagen eingesetzt. Die Bedingungen – enge Stollen, schlechte Belüftung, physisch anspruchsvolle Dauerarbeit – selektierten über Generationen auf maximale Effizienz bei minimalem Futteraufwand. Pferde, die viel fraßen und wenig leisteten, wurden nicht weitergezüchtet.
Genau diese historische Selektion hat den heutigen Bergmann zu dem gemacht, was er ernährungsphysiologisch ist: ein Pferd, das aus bescheidenen Rationen das Maximum herausholt. Für die moderne Haltung, in der qualitativ hochwertiges Heu, üppige Sommerweide und Kraftfutter problemlos verfügbar sind, ist dieses Erbe eine Herausforderung. Der Bergmann ist nicht auf Überfluss ausgelegt – seine Rationsgestaltung sollte dieser evolutionären Prägung Rechnung tragen und ihn nicht mit Futtermitteln überfordern, die für hochgezüchtete Sportpferde konzipiert wurden.
Pflege des Bergmanns mit Blick auf Ernährung und Gesundheit
Die Pflegeroutine eines Bergmanns ist weniger aufwendig als bei Hochleistungssportpferden, aber keineswegs vernachlässigbar. Im Kontext der Ernährung sind vor allem drei Pflegebereiche direkt relevant: Zahnpflege, Hufpflege und die regelmäßige Körperkonditionsbeurteilung.
Zahnpflege und Futteraufnahme: Ein Pferd, das schlecht kaut, kann Raufutter nicht ausreichend zerkleinern – es schluckt unverdaute Halme, was das Kolikrisiko erhöht und die Nährstoffausnutzung verschlechtert. Beim Bergmann empfiehlt sich eine jährliche Zahnkontrolle durch einen erfahrenen Pferdetierarzt oder -zahnarzt. Im Seniorenalter (ab ca. 15–18 Jahren) können Zahnprobleme die Notwendigkeit einer angepassten Raufutterform begründen (z. B. eingeweichte Heucobs oder gedämpftes Heu).
Hufpflege: Die Hufe des Bergmanns gelten als natürlich hart und widerstandsfähig – regelmäßige Hufpflege im Abstand von sechs bis acht Wochen durch einen Hufschmied bleibt dennoch unverzichtbar. Übergewicht durch falsche Fütterung belastet die Huflederhaut und kann Hufrehe begünstigen; umgekehrt zeigen sich Nährstoffmängel (z. B. Biotin- oder Zinkmangel) häufig zuerst an der Hufqualität.
Körperkonditionsbeurteilung (BCS): Der Body-Condition-Score sollte beim Bergmann regelmäßig – idealerweise monatlich – erhoben werden. Der Bergmann neigt zur Verfettung bei Überversorgung; ein BCS von 5 auf der 9-Punkte-Skala gilt als Zielbereich für adulte Tiere in Erhaltungshaltung. Ein zu hoher BCS ist ein frühes Warnsignal für Überernährung und EMS-Risiko.
Gesundheit des Bergmanns: Stoffwechsel, Hufrehe und Alterserkrankungen
Für den Bergmann liegen keine gesondert dokumentierten, rasse-spezifischen Krankheitsdispositionen in der wissenschaftlichen Literatur vor. Die vorhandenen Beschreibungen ordnen ihn jedoch eindeutig in die Gruppe der robusten Gebirgs- und Kaltblutrassen ein – und für diese Gruppe sind die wichtigsten ernährungsbedingten Gesundheitsrisiken gut bekannt.
Hufrehe (Laminitis)
Hufrehe ist für leichtfuttrige, robuste Rassen wie den Bergmann das zentrale ernährungsbedingte Risiko. Sie entsteht durch übermäßige Aufnahme von Stärke und Nichtstärke-Polysacchariden (NSP), insbesondere von wasserlöslichen Kohlenhydraten (WSC) im Frühlings- und Herbstgras sowie in zuckerreichem Heu. Beim Bergmann mit seinem effizienten Verdauungstrakt kann bereits mäßiger Weidegang auf üppigem Gras ausreichen, um eine Hufrehe auszulösen. Anzeichen sind Lahmheit, Wärme an den Hufen und eine veränderte Körperhaltung (entlastendes Vorstemmen der Vorderbeine). Bei Verdacht ist unverzüglich tierärztliche Hilfe erforderlich.
Equines Metabolisches Syndrom (EMS)
EMS ist eng mit Hufrehe verknüpft und tritt häufig bei leichtfuttrigen Rassen auf, die dauerhaft mit zu viel Energie versorgt werden. Typische Zeichen sind Fettpolster am Hals (Crestiness), an der Kruppe und hinter dem Schulterblatt sowie eine erhöhte Insulinresistenz. Ernährungsmanagement – weniger Stärke und Zucker, mehr strukturreiches Raufutter – bildet die Grundlage jeder EMS-Prävention; die genaue Diagnostik und Therapie liegen beim Tierarzt.
Equines Cushing-Syndrom (PPID)
Mit zunehmendem Alter – beim Bergmann typischerweise ab etwa 15–18 Jahren – steigt das Risiko für das Equine Cushing-Syndrom (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction, PPID). Typische Anzeichen sind übermäßig langes, gewelltes Fell (Hypertrichose), das nicht vollständig geworfen wird, Muskelschwund trotz ausreichender Fütterung, vermehrtes Trinken und Harndrang sowie eine erhöhte Anfälligkeit für Hufrehe. Die Diagnose erfolgt durch den Tierarzt; ernährungsseitig empfiehlt sich bei PPID-Verdacht eine streng stärke- und zuckerarme Ration.
Magengeschwüre und Kolikrisiken
Als Dauerfresser mit kleinem Magen ist das Pferd auf kontinuierliche Futteraufnahme angewiesen. Lange Fresspausen – mehr als vier Stunden ohne Raufutter – erhöhen das Risiko für Magengeschwüre und Koliken durch überschüssige Magensäure. Auch beim Bergmann gilt: Raufutter möglichst kontinuierlich und ohne längere Unterbrechungen anbieten.
Atemwege und Heustaub
Stäubiges oder schimmeliges Heu kann bei Pferden Atemwegserkrankungen (Equine Asthma, früher RAO/COPD) begünstigen. Beim Bergmann, der häufig in Stall- oder Unterstandshaltung gehalten wird, ist auf gute Belüftung und staubarmes Raufutter zu achten. Bedampftes oder angenässtes Heu kann bei atemwegsempfindlichen Tieren sinnvoll sein.
Ernährungsbedarf des Bergmanns: Erhaltung, Arbeit und Lebensphasen
Der Energiebedarf des Bergmanns richtet sich nach Körpergewicht, Kondition, Arbeitsniveau und Lebensphase. Als robuste Rasse mit effizientem Grundstoffwechsel liegt sein Erhaltungsbedarf vergleichsweise niedrig – gleichzeitig steigt er bei Arbeit, Trächtigkeit, Laktation und im Wachstum deutlich an.
Erhaltungsbedarf (leichte bis keine Arbeit)
Ein erwachsener Bergmann in Ruhehaltung oder bei leichter Freizeitarbeit (bis zu einer Stunde täglich im Schritt/leichtem Trab) kommt in der Regel mit einer reinen Raufutterration aus – ergänzt durch ein bedarfsgerechtes Mineralfutter. Kraftfutter ist in dieser Phase häufig nicht notwendig und kann bei regelmäßiger Gabe zu unerwünschter Gewichtszunahme führen.
Als Richtwert gilt: mindestens 1,5 % des Körpergewichts an Trockenmasse täglich aus Raufutter – bei einem 500-kg-Bergmann entspricht das ca. 7,5 kg Heu. Die tatsächliche Aufnahme kann darüber liegen, wenn das Heu qualitativ hochwertig und schmackhaft ist. Bei Übergewicht kann die Gesamtmenge unter tierärztlicher oder ernährungsberaterischer Begleitung kontrolliert werden.
Arbeitsbedarf (mittlere bis intensive Belastung)
Bei regelmäßiger Arbeit im Gelände, Zugarbeit oder intensivem Freizeitreiten (mehrere Stunden täglich) steigt der Energiebedarf messbar. Hier kann eine moderate Kraftfuttergabe sinnvoll werden – idealerweise in Form von strukturreichem Hafer oder speziellen Arbeitspellets mit niedrigem Stärke-/Zuckergehalt. Die Menge richtet sich nach dem tatsächlichen Arbeitsniveau und sollte über die Körperkondition (BCS) kontrolliert werden. Stets gilt: mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer Portionen.
Fohlen und Jungpferde (0–3 Jahre)
Fohlen beziehen in den ersten Lebensmonaten alle Nährstoffe aus der Muttermilch; ab dem zweiten bis dritten Monat beginnen sie, festes Raufutter zu erkunden. Nach dem Absetzen (üblicherweise mit fünf bis sieben Monaten) wird Heu zur Hauptfutterquelle. Wachstumsphasen erfordern ein ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis von etwa 1,5–2 : 1 – zu viel Kraftfutter (Getreide) verschiebt dieses Verhältnis ungünstig und kann das Osteochondrose-Risiko erhöhen. Fohlenstarter-Pellets sind nur bei unzureichender Milchversorgung durch die Stute notwendig.
Trächtige und laktierende Stuten
Im letzten Trächtigkeitsdrittel und während der Laktation steigt der Energie-, Protein- und Mineralstoffbedarf deutlich an. Qualitativ hochwertiges Heu und eine auf den Mehrbedarf abgestimmte Mineralstoffergänzung sind in dieser Phase besonders wichtig. Im Einzelfall – insbesondere bei schlanken Stuten oder intensiver Laktation – kann eine moderate Kraftfuttergabe sinnvoll sein; die Beurteilung sollte durch eine Fachperson erfolgen.
Senioren (ab ca. 15–18 Jahren)
Im Alter nimmt die Verdauungsleistung ab, der Zahnverschleiß schreitet fort, und Erkrankungen wie PPID können den Nährstoffbedarf verschieben. Eingeweichte Heucobs, Senior-Mash oder bedampftes Heu ermöglichen auch Pferden mit eingeschränkter Kaufunktion eine bedarfsdeckende Raufutteraufnahme. Der Proteinbedarf steigt bei Senioren tendenziell an, während der Stärke-/Zuckergehalt der Ration weiter begrenzt bleiben sollte.
Futter für den Bergmann: Raufutter als Basis, Kraftfutter mit Bedacht
Die Auswahl der Futtermittel für den Bergmann folgt einem klaren Prinzip: strukturreiches, faserhaltiges Raufutter zuerst – Kraftfutter, Müsli und Zusatzfuttermittel nur in dem Maße, wie es Arbeitsniveau und Lebensphase wirklich erfordern.
Raufutter: Heu, Heulage und Weide
Heu bildet die unverzichtbare Grundlage der Bergmann-Ration. Gutes Bergmann-Heu sollte strukturreich, sauber und staubaraufweidig sein – mit einem moderaten Energiegehalt, der für leichtfuttrige Rassen nicht zu hoch liegen sollte. Heu aus der zweiten Schnitt (rohfaserärmer, energiereicher) ist beim Bergmann mit Bedacht einzusetzen; erste Schnitt-Heu mit höherem Rohfaseranteil ist in der Regel besser geeignet. Eine Heuanalyse (Messung von Rohfaser, Rohprotein und wasserlöslichen Kohlenhydraten) hilft, die tatsächliche Energiedichte zu kennen und die Ration anzupassen.
Heulage (fermentiertes Raufutter mit höherem Wassergehalt) ist eine staubarme Alternative für atemwegsempfindliche Bergmänner. Sie ist energiereicher als trockenes Heu – was beim Bergmann bedeutet, dass die Tagesmenge entsprechend angepasst werden sollte.
Weidegras im Frühjahr und Herbst ist besonders reich an wasserlöslichen Kohlenhydraten (WSC) und stellt für EMS-gefährdete oder zu Hufrehe neigende Bergmänner ein erhöhtes Risiko dar. Ein kontrollierter Weidegang mit Zeitbegrenzung, Weidegitter oder Paddockphasen ist in diesen Risikozeiten sinnvoll.
Stroh als Sättigungs-Raufutter
Beim Bergmann, der zum Übergewicht neigt, kann Stroh (vorzugsweise Gerstenstroh, ungemahlen) einen Teil der Heumahlzeit ersetzen. Stroh liefert Beschäftigung und Struktur bei niedrigem Energiegehalt. Wichtig: Stroh nicht als alleiniges Raufutter einsetzen und auf ausreichende Wasseraufnahme achten, da Stroh wenig Feuchtigkeit liefert.
Kraftfutter: Hafer, Pellets, Müsli
Kraftfutter ist beim leicht bis mäßig arbeitenden Bergmann häufig nicht notwendig. Wenn Kraftfutter eingesetzt wird – etwa bei intensiver Arbeit oder erhöhtem Energiebedarf in Wachstum oder Laktation – empfehlen sich:
- Hafer: Traditionell gut verträgliches Getreide mit verhältnismäßig günstigem Stärke-Fermentationsprofil; in kleinen Mengen sinnvoll
- Pellets oder Müsli mit niedrigem Zucker- und Stärkegehalt: Für EMS-gefährdete Tiere; Produkte mit hohem Melasse- oder Fruktananteil meiden
- Heucobs (eingeweicht): Strukturreiches, gut verträgliches Ergänzungsfutter, besonders für Senioren mit eingeschränkter Kaufunktion
Kraftfutter sollte niemals auf leeren Magen gegeben werden – immer nach oder zusammen mit Raufutter, in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt.
Mash
Warm eingeweichter Mash (aus Kleie, Leinsamen oder speziellen Mash-Produkten) kann beim Bergmann als gelegentliche Ergänzung bei erhöhtem Flüssigkeitsbedarf (nach intensiver Arbeit, im Winter) oder bei leichten Verdauungsproblemen eingesetzt werden. Als Dauerration ist Mash nicht geeignet.
Mineralfutter und Nahrungsergänzung für den Bergmann
Raufutter allein deckt den Mineralstoffbedarf von Pferden selten vollständig. Auch beim Bergmann, dessen Grundration aus Heu und Weidegras besteht, können Lücken in der Mineralstoffversorgung entstehen – insbesondere bei Calcium, Magnesium, Selen, Kupfer und Zink sowie bei den fettlöslichen Vitaminen A, D und E.
Mineralfutter als Basis-Ergänzung
Ein bedarfsgerechtes Mineralfutter (Mineralstoffmischung oder -pellets) ist für den Bergmann in der Regel sinnvoll und sollte auf die Zusammensetzung des eingesetzten Raufutters abgestimmt sein. Im Idealfall erfolgt die Auswahl auf Grundlage einer aktuellen Heuanalyse, aus der der tatsächliche Versorgungsgrad mit den wichtigsten Mineralstoffen hervorgeht. Pauschale Hochdosierungen sind nicht empfehlenswert – eine Überversorgung mit Selen oder fettlöslichen Vitaminen kann ebenso schädlich sein wie ein Mangel.
Salz und Elektrolyte
Natrium ist ein essenzieller Mineralstoff für Pferde, der über normales Futter kaum ausreichend aufgenommen wird. Ein Salzleckstein oder loses Speisesalz sollte dem Bergmann dauerhaft zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen. Bei intensiver Arbeit und starkem Schwitzen – etwa bei mehrstündigem Geländereiten oder bei Hitze – verliert das Pferd erhebliche Mengen an Elektrolyten (Natrium, Kalium, Chlorid). In solchen Situationen kann eine gezielte Elektrolytergänzung sinnvoll sein; die konkrete Dosierung und Form sollten im Einzelfall mit dem Tierarzt oder einer Ernährungsfachperson abgestimmt werden.
Spezifische Ergänzungen beim Bergmann
- Biotin und Zink: Werden häufig zur Unterstützung der Hufhornqualität eingesetzt. Bei nachgewiesenem Mangel oder erkennbar schlechter Hufhorn-Substanz kann eine Ergänzung im Einzelfall diskutiert werden – immer in Abstimmung mit dem Tierarzt.
- Magnesium: Wird diskutiert im Zusammenhang mit Nervosität und Muskelspannungen; beim ruhigen Bergmann eher kein Hauptthema, aber bei entsprechenden Symptomen prüfenswert.
- Leinsamenöl oder andere Pflanzenöle: Als Energieträger bei erhöhtem Bedarf ohne Stärkebelastung; können die Fettsäureversorgung ergänzen. Dosierung und Eignung im Einzelfall klären.
- Nahrungsergänzung bei PPID oder EMS: Hier gelten besondere Regeln für Stärke-, Zucker- und Mineral-Management; die spezifische Ergänzungsstrategie gehört in die Hand des betreuenden Tierarztes.
Generell gilt: Nahrungsergänzungsmittel für Pferde sind kein Ersatz für eine durchdachte Grundration. Sie ergänzen gezielt dort, wo die Ration nachweislich Lücken aufweist – eine kritische Auseinandersetzung mit dem tatsächlichen Bedarf ist vor jedem Einsatz sinnvoll.
Fütterungsmanagement für den Bergmann: Heuqualität, Rhythmus und Wasserversorgung
Eine durchdachte Rationsgestaltung ist nur so gut wie das Fütterungsmanagement, das sie umsetzt. Für den Bergmann sind folgende Punkte besonders relevant:
Heuqualität sichern
Die wichtigste Einzelmaßnahme in der Bergmann-Ernährung ist die Auswahl und regelmäßige Kontrolle der Heuqualität. Heu sollte trocken, sauber, frei von Schimmel und Staub sowie angenehm duftend sein. Regelmäßige Heuanalysen (mindestens einmal pro Ernte/Saison) ermöglichen eine fundierte Rationsberechnung und helfen, Überversorgung mit wasserlöslichen Kohlenhydraten frühzeitig zu erkennen – ein kritischer Punkt beim Bergmann mit EMS-Risiko.
Fütterungsrhythmus und Fresspausen
Der Pferdedarm ist auf nahezu kontinuierliche Futterpassage ausgelegt. Für den Bergmann bedeutet das: Raufutter sollte möglichst durchgehend verfügbar sein, mit maximalen Fresspausen von nicht mehr als drei bis vier Stunden. Langsame Fresser (Slow-Feeder-Netze) helfen, die Aufnahmegeschwindigkeit zu regulieren und gleichzeitig lange Fresspausen zu vermeiden – ein besonders sinnvolles Hilfsmittel beim Bergmann, der bei freiem Zugang zu Heu rasch übermäßig fressen kann.
Wasserversorgung
Ein erwachsener Bergmann benötigt je nach Witterung, Futterfeuchte und Arbeitsniveau täglich zwischen 20 und 50 Liter frisches Wasser. Sauberes, stets frei zugängliches Wasser ist unverzichtbar – Wasserentzug auch für kurze Zeit erhöht das Kolikrisiko erheblich. Im Winter ist auf frostfreie Tränken zu achten; kaltes Wasser sollte nicht direkt nach intensiver Arbeit in großen Mengen angeboten werden.
Weide- und Anweidemanagement
Der Übergang von Stall- oder Heufütterung auf Weidegras im Frühjahr gehört zu den kritischsten Phasen im Bergmann-Jahr. Frisches Frühlingsgras ist besonders reich an wasserlöslichen Kohlenhydraten (Fruktane) und kann bei zu abruptem Weidebeginn Hufrehe auslösen. Empfehlenswert ist eine schrittweise Anweideperiode über zwei bis vier Wochen, beginnend mit wenigen Stunden täglich – idealerweise in den frühen Morgenstunden, wenn der Fruktan-Gehalt im Gras am niedrigsten ist. Bei bereits übergewichtigen oder EMS-gefährdeten Bergmännern sollte das Weidemanagement besonders restriktiv gestaltet und im Zweifel tierärztlich begleitet werden.
Quellen
- [1]FEDIAF Nutritional Guidelines 2025guideline
- [2]NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Catsguideline
- [3]Publikationen - Praxis - EQUI-SCOPEweb
- [4]Der umfassende Guide zur natürlichen Pferdefütterungweb
- [5]Artikel übersicht - über Mühldorfer Pferdefutterweb
- [6]Publikationen - Tierarzt Ernährung |web
- [7]Nahrungsergänzung für Pferde - Gesundheit von innenweb
- [8]Pferdefütterung: Pferde richtig füttern | FN - Pferdesport Deutschlandweb
Hinweis
Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Nahrungsergänzung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.
Fragen zur Ernährung & Haltung
futter.de-Redaktion. KI-gestützt erstellt aus unserer geprüften Datenbasis, redaktionell kuratiert.
Tierärztliches Review im Aufbau (Klinik-Partner). Medizinische Aussagen sind quellenbelegt. Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2026.
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