Pferdefutter Ardenner: PSSM & Übergewicht
Pferdefutter für den Ardenner: PSSM- und Übergewicht-Management bei hocheffizienter Futterverwertung.
- Stockmaß
- ca. 160 cm
- Gewicht
- ab 700 kg
- Herkunft
- Belgien, Frankreich, Luxemburg

Ardenner: Das Wichtigste zu Futter und Ernährung
Der Ardenner ist eines der ältesten und schwersten Kaltblutpferde Europas – ein Arbeitstier, das auf Ausdauer und Robustheit unter kargen Bedingungen gezüchtet wurde. Genau diese Robustheit macht ihn im modernen Haltungskontext zu einer Rasse, bei der Ernährungsfehler besonders schnell sichtbare Folgen haben.
Die entscheidenden Eckpunkte für Ardenner-Halter:
- Raufutter ist das Fundament: Heu mit niedrigem Nicht-strukturellen Kohlenhydrat-Anteil (NSC < 10 % der Trockenmasse) bildet die Basis jeder Ration – möglichst kontinuierlich verfügbar, um lange Fresspausen zu vermeiden.
- Kraftfutter nur bei echtem Mehrbedarf: Ardenner in Freizeit- oder moderater Arbeitsnutzung benötigen in der Regel wenig bis kein Getreide oder Müsli; energiereiche Zufütterung begünstigt Übergewicht und verschlimmert PSSM-Symptome.
- PSSM1 ist dokumentiert: Die Polysaccharide Storage Myopathy Typ 1 ist bei der Rasse nachgewiesen; eine stärke- und zuckerarme Ration mit erhöhtem Fettanteil ist ein zentraler Baustein des Managements.
- Körperkonditionsscore (BCS) regelmäßig prüfen: Angestrebt wird ein BCS von 4–5 auf der 9-Punkte-Skala; Übergewicht verstärkt Insulindysregulation und Gelenkbelastung.
- Mineralfutter nicht vergessen: Heu allein deckt den Mineralstoffbedarf selten vollständig; ein ausgewogenes Mineralfutter ist Pflichtbestandteil der Ration.
Größe, Gewicht und Typ: Was die Statur des Ardennerpferdes für die Futterration bedeutet
Der Ardenner ist ein schweres Kaltblutpferd mit einer Widerristhöhe von etwa 160 cm und einem Körpergewicht, das je nach Linie und Ernährungszustand bei 700 kg beginnt und bei gut konditionierten Zuchthengsten 900 kg und mehr erreichen kann. Diese Masse hat direkte Konsequenzen für die Rationsplanung.
Einordnung im Rassenvergleich:
| Rasse | Typ | Widerrist | Gewicht ca. |
|---|---|---|---|
| Ardenner | Schweres Kaltblut | ~160 cm | 700–900 kg |
| Rheinisch-Deutsches Kaltblut | Schweres Kaltblut | 160–168 cm | 700–900 kg |
| Haflinger | Leichtes Warmblut/Pony | 138–148 cm | 350–550 kg |
| Deutsches Warmblut | Warmblut | 162–175 cm | 550–700 kg |
Bei einem adulten Ardenner von 800 kg bedeutet die Faustregel von mindestens 1,5 % des Körpergewichts in Heu-Trockenmasse: mindestens 12 kg Heu täglich, eher 14–16 kg bei mittlerer Arbeit. Diese Mengen sind nicht optional – sie sichern die Pansenfüllung, stabilisieren den Magensäure-pH und versorgen die Dickdarmflora mit der nötigen Rohfaser.
Die kompakte, muskulöse Statur des Ardennerpferdes täuscht leicht darüber hinweg, dass das Tier relativ wenig Energie für Erhaltung und leichte Arbeit benötigt: Der hocheffiziente Kaltblut-Stoffwechsel bedeutet, dass ein Ardenner pro Kilogramm Körpergewicht weniger Energie verbraucht als ein Warmblut vergleichbarer Größe. Kraftfutter-Portionen, die für ein Sportpferd normal wären, führen beim Ardenner rasch zu Übergewicht.
Wesen und Charakter: Kooperativ, geduldig – und futtermotiviert
Der Ardenner gilt als eines der ruhigsten und ausgeglichensten Kaltblutpferde Mitteleuropas. Vertreter der Rasse reagieren auf ungewohnte Reize – laute Maschinen, unbekannte Personen, wechselnde Umgebungen – deutlich gelassener als viele Warmblüter oder leichtere Rassen. Diese Grundruhe ist kein Zufall: Jahrhunderte der Arbeit in enger Menschennähe, oft unter schwierigen Bedingungen, haben ein Pferd mit hoher Stresstoleranz und kooperativer Grundhaltung hervorgebracht.
Gleichzeitig sind Ardenner ausgesprochene Fresser. Ihr Interesse an Nahrung ist ausgeprägt, und das Sozialverhalten rund um den Futtertrog kann intensiver ausfallen als bei weniger futterfixierten Rassen. Für Halter bedeutet das: Leckerli-Training funktioniert gut, birgt aber das Risiko, ein Pferd zu konditionieren, das übermäßig auf Futter als Belohnungsanreiz fixiert ist. Für die Rationsplanung relevant ist außerdem, dass Ardenner bei Unterbeschäftigung oder langen Fresspausen zu Langeweile-Verhalten neigen – permanenter Heuzugang wirkt hier präventiv.
Der typische Ardenner entwickelt enge Bindungen zu seinen Bezugspersonen und unterscheidet verlässlich zwischen vertrauten und unbekannten Menschen. Diese Bindungsfähigkeit ist ein Vorteil im Trainingsalltag und in der tierärztlichen Betreuung – Untersuchungen werden von kooperativen Ardennern oft leichter geduldet als von nervösen Warmblütern.
Herkunft und Geschichte: Aus kargen Hochplateaus in den modernen Stall
Die Wurzeln des Ardennerpferdes liegen im Ardenner Hochplateau – einem Grenzgebiet zwischen dem heutigen Belgien, Frankreich und Luxemburg. Die Region ist bekannt für lange, schneereiche Winter, häufige Niederschläge und karge Böden, die nur mageres Grünland und wenig Getreide hervorbringen. Erste schriftliche Hinweise auf robuste, ausdauernde Arbeitspferde dieser Region finden sich bereits in antiken Quellen; eine belastbare genetische Kontinuität zum modernen Ardenner lässt sich jedoch nicht lückenlos belegen.
Durch Mittelalter und frühe Neuzeit hindurch war der Ardenner vor allem als Zug- und Lasttier im Einsatz – in der Landwirtschaft, später als Artilleriezugpferd in mehreren europäischen Kriegen. Der russische Feldzug Napoleons 1812 gilt als legendärer Beleg für die außergewöhnliche Robustheit der Rasse unter extremen Entbehrungsbedingungen.
Relevanz für die heutige Ernährung: Die jahrtausendealte Selektion auf Energieeffizienz unter kargen Bedingungen ist biologisch tief verankert. Der Ardenner ist kein Pferd, das für energiereiche, getreidelastige Rationen ausgelegt ist – er hat sich an niedrige Energiedichten angepasst und holt aus minderwertigem Raufutter mehr Nährstoffe heraus als Warmblüter. Im modernen Stall mit gutem Heu und Weidegang bedeutet diese Eigenschaft ein erhöhtes Übergewichts- und Stoffwechselrisiko, das Halter aktiv managen müssen.
Pflege und Haltung: Was der Fesselbehang mit der Ernährung zu tun hat
Der Ardenner ist eine vergleichsweise pflegeleichte Rasse – sein Fell ist wetterfest, sein Immunsystem robust, und die Hufsubstanz gilt als hart und belastbar. Dennoch gibt es zwei Pflegethemen, die direkten Bezug zur Ernährung haben.
Fesselbehang und CPL: Der ausgeprägte Fesselbehang der Rasse schafft ein ideales Milieu für Chronische Progressive Lymphödeme (CPL) – eine Erkrankung, die in behangenen Kaltblutlinien gehäuft auftritt. Übergewicht verschlechtert die Lymphdrainage und begünstigt das Fortschreiten der Erkrankung. Gewichtsmanagement durch eine kalorien- und NSC-bewusste Ration ist damit nicht nur ein Stoffwechselthema, sondern auch ein Lymphödem-Präventionsthema.
Hufgesundheit und Hufrehe-Risiko: Ardenner sind – wie alle Kaltblüter mit hoher Insulinsensitivität – anfällig für ernährungsbedingte Hufrehe (Laminitis). Besonders der Weideeintrieb im Frühjahr und Herbst, wenn der Zuckergehalt des Grases hoch ist, sowie die Verfütterung von stärkereichem Kraftfutter stellen Risikofaktoren dar. Harte, breite Hufe können die klinischen Zeichen einer beginnenden Rehe zunächst maskieren – regelmäßige Kontrolle durch einen Hufschmied ist daher besonders wichtig.
Körperkondition als Pflegeparameter: Das regelmäßige Abtasten von Rücken, Rippen und Schweifansatz zur Beurteilung des BCS sollte fester Bestandteil des Pflegealltags sein. Dickeres Fell kann einen verfetteten Ardenner optisch schlanker erscheinen lassen, als er tatsächlich ist.
Gesundheit und rassetypische Erkrankungen: Drei Dispositionen mit direktem Ernährungsbezug
Für den Ardenner sind drei Erkrankungsschwerpunkte veterinärmedizinisch gut belegt, von denen zwei unmittelbar über das Futtermanagement beeinflusst werden können.
Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM)
PSSM Typ 1 – verursacht durch eine Mutation im GYS1-Gen, die zu übermäßiger Glykogenspeicherung in der Muskulatur führt – ist bei Ardennern dokumentiert. Betroffene Pferde zeigen Muskelsteifheit, Schweißausbrüche, Bewegungsunwilligkeit und in schweren Fällen Myoglobinurie (dunkler Urin nach Anstrengung). Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber durch konsequentes Ernährungs- und Bewegungsmanagement gut kontrollierbar. Eine stärke- und zuckerarme Ration (NSC < 10 % der Trockenmasse) kombiniert mit erhöhtem Fettanteil gilt als evidenzbasierter Ansatz im klinischen Management.
Chronische Progressive Lymphödeme (CPL)
CPL ist eine fortschreitende Erkrankung der Lymphgefäße, die bei behangenen Kaltblutrassen – darunter Ardenner – gehäuft vorkommt. Sie äußert sich in progressiver Schwellung der Fesselgegend, Fibrosierung des Gewebes und wiederkehrenden Mauke-Episoden. Da Übergewicht die Lymphdrainage verschlechtert und das Fortschreiten begünstigt, ist Gewichtsmanagement ein integraler Bestandteil der Erkrankungskontrolle. Im Einzelfall sollte die Fütterungsanpassung mit dem betreuenden Tierarzt abgestimmt werden.
Equine Shivers (Shivering)
Shivering – ein progressives neuromuskuläres Syndrom mit unwillkürlichem Tremor und Muskelfaszikulationen insbesondere der Hintergliedmaßen – tritt bei großen Kaltblütern gehäuft auf. Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt; ein Zusammenhang mit PSSM wird diskutiert, ist aber nicht abschließend belegt. Ernährungsseitig gelten ähnliche Empfehlungen wie bei PSSM: stärkearm, raufutterbetont, moderat in der Energieversorgung. Im Zweifel ist eine tierärztliche Untersuchung und ernährungsberaterische Begleitung zu empfehlen.
Equines Metabolisches Syndrom (EMS) und Hufrehe
Als typischer Kaltblüter mit hocheffizientem Stoffwechsel ist der Ardenner prädisponiert für Insulindysregulation und die damit verbundenen Risiken: EMS und ernährungsbedingte Hufrehe (Laminitis). Zuckerreiche Weiden, stärkelastiges Kraftfutter und anhaltende Übergewichtigkeit sind die wesentlichen auslösbaren Faktoren.
Energiebedarf und Körperkondition: Was der Ardenner wirklich braucht
Der Ardenner hat als Kaltblut einen im Verhältnis zum Körpergewicht vergleichsweise niedrigen Energiebedarf. Wer Warmblut-Fütterungskonzepte 1:1 überträgt, riskiert chronische Überernährung – mit direkten Folgen für PSSM, Insulindysregulation und Gelenkgesundheit.
Erhaltungsbedarf
Für adulte Ardenner in leichter oder keiner Arbeit wird ein Energiebedarf von etwa 26–33 kcal pro Kilogramm Körpergewicht und Tag als Orientierungswert diskutiert. Bei einem 800 kg schweren Pferd entspricht das einer Gesamtenergiezufuhr von ca. 20.800–26.400 kcal täglich – Werte, die gutes Heu in ausreichender Menge bereits abdeckt, ohne dass Kraftfutter nötig wäre. Eine regelmäßige BCS-Beurteilung (Ziel: 4–5 auf der 9-Punkte-Skala) ist wichtiger als starre Kilogramm-Angaben, da individuelle Stoffwechseleffizienz stark variiert.
Arbeit und Leistung
Bei regelmäßiger mittlerer bis schwerer Arbeit – Fahrtraining, Forstarbeit, landwirtschaftlicher Einsatz – steigt der Energiebedarf proportional zur Belastungsintensität. In diesen Phasen kann eine moderater Kraftfuttereinsatz sinnvoll sein, sollte aber auf einem Futtermittel mit nachgewiesenen NSC-Werten (möglichst < 10 % Trockenmasse) basieren, das speziell für PSSM-gefährdete Pferde geeignet ist.
Lebensphase: Fohlen und Jungpferde
Ardenner-Fohlen wachsen langsamer als Warmblüter; das Skelett ist erst mit etwa 4–5 Jahren vollständig ausgereift. Eine energie- und mineralstoffbetonte Mast in der Aufzucht begünstigt orthopädische Entwicklungsstörungen (OCD) und sollte vermieden werden. Heu ad libitum und ein altersgerechtes Mineralfutter sind ausreichend; Kraftfutter sollte in der Aufzucht auf das Nötigste beschränkt bleiben.
Lebensphase: Senior
Ab etwa 15–18 Jahren nimmt die Verdauungseffizienz ab, die Kaueffizienz sinkt mit zunehmender Zahnabnutzung, und vorbestehende Erkrankungen wie PSSM oder CPL können sich verschlechtern. Senioren benötigen möglicherweise leicht verdauliche Ergänzungen (z. B. Heucobs, gedämpftes Heu, Mash bei Kauproblemen), aber die NSC-Restriktion bleibt bestehen. Im Zweifel ist eine tierärztliche Beurteilung und ernährungsberaterische Begleitung zu empfehlen.
Raufutter, Kraftfutter und Mineralfutter: Die richtige Futterauswahl für den Ardenner
Der Ardenner ist ein klassischer Dauerfresser, dessen Verdauungstrakt auf eine kontinuierliche Rohfaser-Zufuhr ausgelegt ist. Die Futterauswahl sollte diesen physiologischen Grundbedürfnissen folgen – mit besonderem Augenmerk auf den NSC-Gehalt aller Futterkomponenten.
Raufutter: Die unverzichtbare Basis
Heu steht an erster Stelle jeder Ardenner-Ration. Empfehlenswert ist strukturreiches, spät geschnittenes Heu (zweiter oder dritter Aufwuchs) mit einem möglichst niedrigen NSC-Gehalt. Wiesenheu aus extensiver Bewirtschaftung ist in der Regel besser geeignet als nährstoffreiches Kleeheu oder Luzerne, die bei PSSM-gefährdeten Pferden zu einer erhöhten Energiedichte führen können. Ist der NSC-Gehalt des vorliegenden Heus unbekannt, kann Einweichen (30–60 Minuten in kaltem Wasser) die löslichen Zucker um einen erheblichen Anteil reduzieren – auf Kosten wasserlöslicher Mineralstoffe, was eine gezielte Ergänzung nötig macht.
Heulage (Heu mit höherem Wassergehalt, leicht fermentiert) kann eine Alternative für Pferde mit atemwegssensiblem Stallmilieu oder Heustaub-Problematik sein. Wichtig: Heulage hat eine höhere Energiedichte als trockenes Heu, was bei leichtfuttrigen Ardennern die Gesamtenergiebilanz verschieben kann – entsprechend anpassen.
Kraftfutter: Nur nach tatsächlichem Mehrbedarf
Ardenner in Freizeit- und leichter Arbeit benötigen in der Regel kein Kraftfutter. Wird aufgrund intensiver Arbeitsbelastung eine Ergänzung nötig, sind folgende Punkte zu beachten:
- NSC-Gehalt belegt < 10 %: Nur Produkte mit transparenter Deklaration verwenden
- Keine Getreidemischungen mit hohem Stärkeanteil: Hafer, Gerste und Mais sind für PSSM-Pferde ungeeignet
- Fettreiche Alternativen bevorzugen: Leinsamen (geschrotet oder als Öl), Sonnenblumenöl oder Reisfleischöl liefern Energie ohne Glykogen-belastende Stärke
- Kleinere Mahlzeiten: Maximal 0,5 kg Stärke/Getreide pro Mahlzeit bei unvermeidlichem Kraftfuttereinsatz
Mineralfutter: Pflichtbestandteil
Heu allein deckt den Mineralstoffbedarf von Pferden selten vollständig – besonders bei eingewässertem Heu ist eine gezielte Mineralergänzung unerlässlich. Ein ausgewogenes Mineralfutter (angepasst an die regionalen Heuwerte) bildet die Grundlage; bei PSSM-Pferden ist zusätzlich auf eine ausreichende Vitamin-E-Versorgung zu achten. Salzlecksteine oder freier Zugang zu Speisesalz decken den Natrium- und Chloridgrundbedarf.
Nahrungsergänzung beim Ardenner: Zielgerichtet, evidenzbasiert, ohne Überversorgung
Nahrungsergänzungsmittel für den Ardenner sollten nicht als Routine, sondern als gezielte Antwort auf nachgewiesene Defizite oder dokumentierte Erkrankungen eingesetzt werden. Im Vordergrund stehen drei Ergänzungsbereiche, für die es belastbare Hinweise gibt.
Vitamin E bei PSSM
Vitamin E als natürliches Alpha-Tocopherol gilt als wichtiger antioxidativer Schutzfaktor für die Muskulatur und wird im Kontext von PSSM-Management diskutiert. Natürliches Vitamin E (d-Alpha-Tocopherol) weist eine höhere Bioverfügbarkeit auf als synthetische Formen. Der tatsächliche Bedarf im Einzelfall sollte im Rahmen einer tierärztlichen Beurteilung festgelegt werden; generelle Dosierungsempfehlungen können hier nicht gegeben werden.
Fettergänzung als Energiequelle
Für Ardenner mit nachgewiesener PSSM oder erhöhtem Arbeitspensum kann eine Erhöhung des diätetischen Fettanteils sinnvoll sein. Leinöl oder Reisfleischöl liefern Energie auf glykogen-sparendem Weg und werden von den meisten Pferden gut toleriert. Gleichzeitig verbessert ein höherer Anteil an Omega-3-Fettsäuren (z. B. aus Leinsamen oder Leinöl) das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 – ein Faktor, der im Zusammenhang mit muskulärer Entzündungsreaktion diskutiert wird. Eine Anpassung der Gesamtenergiezufuhr ist bei Einführung von Fettergänzungen entsprechend vorzunehmen.
Mineralstoff- und Spurenelementergänzung
Regionale Böden in Mitteleuropa weisen häufig Selen-, Zink- und Kupferlücken auf, die sich im Heu widerspiegeln. Eine heuwert-basierte Rationsanalyse – in der Regel durch eine Heuprobe beim Labor – ist die sinnvollste Grundlage für die Auswahl eines Mineralfutters. Pauschale Hochdosis-Supplementierung ohne Bedarfsanalyse birgt das Risiko von Überversorgung, insbesondere bei Selen.
Elektrolyte bei Arbeitsbelastung
Ardenner in intensiver Arbeit (Fahrturnier, Forstzug im Sommer) verlieren über den Schweiß erhebliche Mengen Natrium, Chlorid und Kalium. Elektrolyt-Ergänzungen können in diesen Phasen sinnvoll sein; eine ausreichende Wasserversorgung ist dabei Grundvoraussetzung. Im Alltag ist freier Zugang zu einem Salzleckstein eine einfache und ausreichende Maßnahme.
Fütterungsmanagement im Alltag: Heu-Qualität, Rhythmus und Weidegang beim Ardenner
Ein gutes Fütterungskonzept für den Ardenner steht und fällt mit dem täglichen Management – unabhängig davon, wie sorgfältig die Ration auf dem Papier berechnet wurde.
Heu-Qualität und Analyse
Die Qualität des Heus ist der wichtigste einzelne Einflussfaktor auf die Gesundheit des Ardennerpferdes. Eine Laboranalyse des vorliegenden Heus (Trockenmassegehalt, Rohfaser, Rohprotein, NSC, Mineralstoffe) ist besonders für PSSM-Verdachtspferde oder übergewichtige Ardenner keine Luxus, sondern Grundlage einer fundierten Rationsgestaltung. Viele Labors bieten Pferde-spezifische Heupakete zu überschaubaren Kosten an.
Fresspausen vermeiden
Lange Fresspausen von mehr als 4 Stunden erhöhen das Risiko für Magengeschwüre und Koliken erheblich. Praktische Maßnahmen zur Verlängerung der Fresszeit:
- Engmaschige Heunetze (Maschenweite 3–4 cm) verlangsamen die Aufnahme und verlängern die Beschäftigung
- Mehrere Heustandorte im Paddock oder auf der Weide fördern Bewegung und reduzieren Rangkämpfe
- Nacht-Heurationen nicht vergessen – gerade im Winter bei eingestallten Pferden
Wasserversorgung
Ein Ardenner mit einem Körpergewicht von 800 kg benötigt täglich mindestens 30–50 Liter Wasser, bei Hitze oder intensiver Arbeit deutlich mehr. Tränken sollten stets sauber und frostsicher sein; viele Pferde trinken bei sehr kaltem Wasser weniger, was das Kolikrisiko erhöht.
Weidezugang und Anweidemanagement
Der Weideeintrieb im Frühjahr und Herbst ist für Ardenner ein kritischer Moment: Frisches Gras enthält – besonders in den Morgen- und Mittagsstunden sowie nach Frost – hohe Mengen an wasserlöslichen Kohlenhydraten. Empfehlenswert ist ein schrittweises Anweiden über mindestens 2–3 Wochen, beginnend mit 30–60 Minuten täglich. Weidekorb oder Grasmaulkorb können für stark übergewichtige oder hufrehe-gefährdete Ardenner erwogen werden. Bei diagnostizierter Insulindysregulation oder aktivem PSSM-Geschehen ist der Weidegang individuell mit dem betreuenden Tierarzt zu besprechen.
Fütterungsrhythmus
Minimal zwei, besser drei Heu-Gaben täglich bei Stallhaltung; Kraftfutter – wenn überhaupt nötig – immer nach dem Heu und in kleinen Portionen, um die Magenbelastung durch schnell fermentierende Stärke zu minimieren. Abrupte Futterwechsel grundsätzlich vermeiden und Umstellungen über mindestens 7–10 Tage schrittweise vornehmen.
Quellen
- [1]FEDIAF Nutritional Guidelines 2025guideline
- [2]NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Catsguideline
- [3]Studie: Polysaccharide Storage Myopathy (PSSM)study
- [4]Wikipedia: Ardennerwikipedia
- [5]Pferde rassenspezifisch füttern - Pavoweb
- [6]Rassefütterung Kaltblut | Dr. Susanne Weyrauchweb
- [7]Pferdefütterung: was braucht dein Pferd (nicht)?web
- [8]Der umfassende Guide zur natürlichen Pferdefütterungweb
Hinweis
Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Nahrungsergänzung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.
Fragen zur Ernährung & Haltung
futter.de-Redaktion. KI-gestützt erstellt aus unserer geprüften Datenbasis, redaktionell kuratiert.
Tierärztliches Review im Aufbau (Klinik-Partner). Medizinische Aussagen sind quellenbelegt. Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2026.
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